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Milbenbefall : Wölfe im Land leiden unter Räude

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bei zwei toten Tieren des Landes wurden die typischen Symptome für den Milbenbefall entdeckt: Experten sprechen von natürlichen Vorgängen

Nach Fällen in Westpolen und Sachsen gibt es nun auch in Brandenburg Hinweise auf Räude bei Wölfen. Bei zwei toten Tieren im Süden des Landes wurden die typischen Symptome für die Seuche entdeckt. Die Kadaver werden nun untersucht.

Tief unter der Haut nisten sich die Milben ein, sorgen für Haarausfall und Juckreiz, was schließlich zum Tod der befallenen Tiere führen kann. Die häufigsten Opfer in unseren Breiten sind Füchse. „Aber seit zwei Jahren registrieren wir immer mehr Fälle bei Wölfen“, sagt Claudia Szentiks, Pathologin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Die Expertin spricht von einer „großen Welle“, die aber mit Sicherheit auch wieder abebben werde. „Das sind ganz natürliche Vorgänge.“

Szentiks, die einst auch den toten Eisbär Knut untersuchte, hat gerade zwei tote Wölfe aus Brandenburg auf dem Seziertisch. Im Rahmen des Wolf-Monitorings werden sämtliche Kadaver analysiert. Die beiden jetzt verendeten Jungtiere wurden Ende 2013 beziehungsweise Anfang Januar im Süden des Landkreises Potsdam-Mittelmark gefunden. Die Befunde des IZW stehen zwar noch aus, aber der Zustand der Tiere lässt auf die ansteckende Räude schließen: kahle, aufgekratzte Körperstellen. „Erkrankte Tiere sind quasi nackig, brauchen dann vor allem im Winter mehr Energie. Das zehrt sie aus.“

Die Seuche kann auf andere Tiere übertragen werden, auch Menschen können in seltenen Fällen leicht erkranken, wenn sie mit kranken Tieren in Berührung kommen. Sind Haustiere betroffen, können sie mit Medizin kuriert werden. In der Wildnis überstehen gesunde und kräftige Tiere den Befall, schwache sterben daran.

Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamts, verweist darauf, dass im vergangenen Winter bei dem Welzower Rudel Räude beobachtet worden sei, aber die Tiere hätten es überstanden. Ähnliche Nachrichten gibt es aus Sachsen. Mittels so genannter Fotofallen konnte das beobachtet werden. Auch ein vom Auto überfahrener Wolf Anfang Januar an der Autobahn A 4 in Sachsen wies Räude-Spuren auf. Bei wem sich die Wölfe angesteckt haben könnten, ist offen. Freude hat den Fuchs unter Verdacht. „Ein Wolf frisst schon mal einen räudigen Fuchs und kann sich dabei anstecken.“

Auch für den Landesjagdverband sind die erhöhten Räudefälle beim Wolf kein Grund zur Besorgnis. „Das ist der Lauf der Dinge“, sagt Geschäftsführer Georg Baumann. Aber da die Bestände in Brandenburg sehr schnell wachsen, müsse man künftig genau beobachten, ob die Wölfe Seuchen einschleppen und damit möglicherweise andere Wildtiere gefährden, mahnt Baumann.

Matthias Freude hält diese Sorge für unbegründet. Hunde und Füchse seien die viel größere Ansteckungsgefahr in punkto Räude. Auch seien die jetzigen Todesfälle bei den Wölfen Beleg dafür, dass ein Ausufern der Bestände nicht zu befürchten ist. „Steigt die Zahl der Wölfe, setzen Regulationsmechanismen ein. Das ist Natur“, sagt Freude. Krankheit, Hunger, Konkurrenz mit anderen Wölfen, all das begrenze das Wachstum. Die Sterblichkeit bei jungen Wölfen liege bei 50 Prozent.

Jenen Wölfen in der Region, die diese Auslese überstehen, gehe es sehr gut, betont Claudia Szentiks vom Leibniz-Institut. Dieses Wissen hat sie durch die Untersuchung von überfahrenen Wölfen, deren Zahl immer mehr zunehme. „Wir stellen bei diesen Sektionen eigentlich nie Krankheiten fest“, sagt die Pathologin. „Die Wölfe sind meist kerngesund, das blühende Leben, wenn sie auf der Straße den Tod finden“, bedauert Szentiks. Matthias Freude hofft in diesem Punkt auf die wachsende Zahl von Wildbrücken. „Wölfe wandern viel, und sie nehmen die Brücken an, wenn es sie gibt.“

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