Gesundheitsministerium Potsdam : „Wo, wie und mit wem“

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher und Landrat Ludger Weskamp bei der Pressekonferenz.
Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher und Landrat Ludger Weskamp bei der Pressekonferenz.

Erster nachgewiesener Coronavirus-Fall in Brandenburg. Nun soll die Infektionskette schnellstmöglich unterbrochen werden.

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03. März 2020, 22:00 Uhr

Nach dem ersten nachgewiesenen Coronavirus-Fall in Brandenburg will der Landkreis Oberhavel eine Ausbreitung des Virus verhindern. Menschen, mit denen der 51-Jährige in den vergangenen Tagen in Kontakt gewesen ist, versucht das Gesundheitsamt ausfindig zu machen. „Ziel ist es, die Infektionskette schnellstmöglich zu unterbrechen“, sagte Amtsarzt Christian Schulze gestern. Man ließe sich von dem 51-Jährigen Informationen geben, wo er sich aufgehalten haben könnte. Der Mann war aus einem Skiurlaub in Südtirol zurückgekehrt. Ihm gehe es „den Umständen entsprechend gut“.

Insgesamt sechs Personen des Pflegepersonals, mit denen der Mann in den Kliniken unmittelbaren Kontakt gehabt habe, wurden dem Amtsarzt zufolge umgehend isoliert. Häusliche Quarantäne sei für sie ebenso angeordnet worden wie für die Ehefrau des Mannes. „Wir haben den kompletten Reiseweg von ihm schon völlig recherchiert“, berichtete der Amtsarzt auf einer Pressekonferenz im Gesundheitsministerium im Potsdam. Auch alle Aufenthaltsorte seit seiner Rückkehr seien geklärt. „Wir haben schon ein sehr minutiöses Bild, darüber, wo, wie und mit wem sich die Person zusammengefunden hat“, sagte Schulze.

Man könne derzeit noch nicht sagen, wie viele Personen mit ihm in Kontakt waren. Der Mann aus Hohen Neuendorf war mit seiner Frau sowie einem befreundeten Ehepaar aus Berlin am Freitag aus Südtirol vom Skiurlaub zurückgekehrt, am Sonntag zeigten sich bei ihm die ersten grippalen Symptome wie Fieber und Husten. Am Montag begab er sich nach Angaben des Landkreises zunächst in die Asklepios-Klinik in Birkenwerder, anschließend wurde er in die Rettungsstelle Hennigsdorf gebracht und auf den neuartigen Erreger Sars-CoV-2 positiv getestet. Der Mann selbst sei bereits seit Montag „häuslich isoliert“, hieß es.

Nach Angaben des Landrats Ludger Weskamp (SPD) wurden auch die Mitreisenden des Mannes bereits isoliert. Die Menschen in Oberhavel bat der Landrat, die Hygienehinweise zum Selbstschutz und zum Schutz anderer zu beachten. Außerdem riet der Landkreis „aus Gründen der Vorsorge“ dazu, „Großveranstaltungen internationaler oder überregionaler Art mit mehr als 500 Teilnehmern“ aktuell nicht durchzuführen. Die Entscheidung darüber liege bei den Veranstaltern. Der Landkreis richtete ein zentrales Infotelefon ein.„Aktuell gibt es ein sehr hohes Anruferaufkommen“, hieß es. Menschen sollten daher ihre Fragen auch per E-Mail stellen.

Was lange zu erwarten war, sei jetzt auch in Brandenburg eingetreten, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) auf der Pressekonferenz. „Und wir müssen mit weiteren Fällen rechnen.“ Viele Menschen machten sich Sorgen. „Wir sollten Corona ernst nehmen, ich warne aber auch vor übertriebenen Ängsten.“ Die allermeisten Infektionen in Deutschland verliefen derzeit relativ unproblematisch.

Die Ministerin betonte, dass im Moment noch kein „krisenhaftes Geschehen“ im Land vorliege. Jede Klinik sei in der Lage, im Ernstfall Isolationszimmer bereitzustellen, sagte sie. „Wir brauchen keine Hochsicherheitsisolationsstationen.“

Nonnemacher, in deren Ministerium seit einigen Tagen ein Einsatzstab zum Coronavirus arbeitet, verwies darauf, dass Brandenburgs Gesundheitsbehörden inzwischen zusätzliche Laborkapazitäten nutzen können. Neben dem Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus und der Berliner Charité stehe auch ein Labor in Frankfurt (Oder) zur Verfügung. Die Tests würden auch von immer mehr Hausarztpraxen durchgeführt.

Außerdem seien Pflegeeinrichtungen dabei, Infektionspläne anzupassen und Mitarbeiter zu schulen, berichtete die Ministerin. Nach wie vor seien ältere Menschen und Menschen mit schweren Vorerkrankungen besonders gefährdet.

Nach Angaben des Ministeriums gab es bis Dienstagvormittag 45 Verdachtsfälle: Neben der nachgewiesenen Infektion waren 40 Tests negativ, vier Ergebnisse stehen noch aus.

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