Brandenburg : Wo sind die Weihnachtmänner hin?

Auch den Weihnachtsmännern fehlt der Nachwuchs. Schon jetzt haben die Vermittlungen alle Hände voll zu tun.  .
Auch den Weihnachtsmännern fehlt der Nachwuchs. Schon jetzt haben die Vermittlungen alle Hände voll zu tun. .

Berliner und Brandenburger sind schon auf der Suche nach dem Rauschebart für Heiligabend – ungewöhnlich früh.

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13. November 2019, 05:00 Uhr

Mit seinem langen, weißen Bart und roten Mantel ist die Ankunft des Weihnachtsmannes fester Bestandteil in vielen Familien in Berlin und Brandenburg. Bis Heiligabend sind zwar noch sechs Wochen Zeit. Agenturen zur Vermittlung von Weihnachtsmännern haben aber schon seit Anfang November alle Hände voll zu tun.

„Es sind schon jetzt unheimlich viele Bestellungen eingegangen“, sagte Weihnachtsmannvermittlerin Petra Henkert aus Zeuthen (Dahme-Spreewald). Normalerweise würde es erst Ende November so richtig losgehen. Auch der „Cottbuser Weihnachtsmann“ verzeichnet ein ungewöhnlich frühes Interesse von Familien.

Im vergangenen Jahr beendete das Studentenwerk Berlin die Vermittlung von Weihnachtsmännern an Familien. Das habe laut Henkert ein Loch in die Vermittlungslandschaft gerissen. Henkert suchte 2018 daher öffentlich nach 100 zusätzlichen Weihnachtsmännern. Das habe auch funktioniert, allerdings sei Weihnachtsmann-Mangel jedes Jahr aufs Neue ein Problem. „Es steigt die Nachfrage und auf der anderen Seite suchen wir auch nach Nachwuchs“, sagte sie.

Die Gründe für den Mangel sind vielfältig: Studenten beenden ihr Studium und ziehen weg, andere gründen ihre eigene Familie und haben am Heiligabend keine Zeit mehr, ins Kostüm zu schlüpfen. „Unterm Strich ist es viel Aufwand für die Herren“, gibt Henkert zu. Die neuen Weihnachtsmänner müssen geschult werden, sie telefonieren im Vorfeld mit den Familien und fahren vorher den Weg von Haus zu Haus ab. Dafür winken aber auch 500 bis 700 Euro, die an Heiligabend verdient werden können – abhängig davon wie viele Kinder eine Familie hat und wo sie sich befindet.

Ronny Schröter befindet sich mit seinem „Cottbuser Weihnachtsmann“ im sechsten Jahr und braucht auch unbedingt mehr Weihnachtsmänner. „Wir können uns vor Aufträgen gar nicht retten“, sagte er. Normalerweise sei erst Anfang Dezember die heiße Phase. Seine Weihnachtsmänner seien noch nicht ganz ausgebucht, Nachwuchs aber zunehmend schwer zu finden. „Single-Männer, die Lust auf den Job haben, sind wie die Nadel im Heuhaufen“, sagt er.

Zwei ehemalige Weihnachtsmänner aus dem Studentenwerk Berlin haben im vergangenen Jahr eine Idee gehabt, wie sie den Weihnachtsmannschwund aufhalten könnten. „Wir legen den Fokus auf den bestmöglichen Service für Weihnachtsmänner“, sagt Mitgründer Frederik Tholey von „Weihnachtsmann2Go“.

Anders als bei Agenturen, die Anfragen sammeln, um dann händisch die Weihnachtsmänner auf die Familien zu verteilen, sucht man sich auf der Internetplattform seinen Rauschebart selbst aus. Familien bezahlen dafür eine Gebühr von sieben Euro, die Weihnachtsmänner kostet die Vermittlung nichts. Das bedeute viel weniger Stress für die Männer im roten Mantel, sind sich die beiden sicher. Einerseits erhoffen sich Frederik Tholey und sein Mitgründer Tobias Groß dadurch verbindlichere Zusagen von den Familien. Andererseits wollen sie es den Weihnachtsmännern erleichtern, die Routen an Heiligabend zu planen. Denn ihre Plattform berechnet für alle Anfragen automatisch den besten Weg von Familie zu Familie.

Diese Unmittelbarkeit habe „Weihnachtsmann2Go“ den klassischen Agenturen voraus, sagt Henkert vom Weihnachtsbüro Zeuthen. Denn einige Familien seien besorgt, dass sie bei den Agenturen keinen Weihnachtsmann abbekommen. Dafür punkte ihre Vermittlung mit einem großen Gemeinschaftsgefühl. Sie sei telefonisch immer ansprechbar, führe Schulungen für die Weihnachtsmann-Anwärter durch und stelle Kostüme. „Wir machen das nicht, weil wir reich werden wollen, sondern weil es richtig und schön ist“, sagt sie.

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