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Elbe-Elster-Land ist Hochburg von Marionetten und anderen Figuren : Wo die Puppen nie aufhören zu tanzen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vorhang auf: Puppenspiel in der Elbe-Elster-Region hat eine lange Tradition. Besuch bei einer Puppenbauerin

Wenn Karin Heym eine ihrer selbstgebauten Puppen in die Hand nimmt, verändern sich sofort ihre Gesichtszüge und ihre Stimme. Mal lacht sie keck, mal spricht sie sanft. Seit Jahrzehnten fertigt die Südbrandenburgerin Puppen und tritt damit auf. Ihre Werkstatt in Doberlug-Kirchhain ist ein echter Fundus. In der Elbe-Elster-Region wird das Puppenspiel seit Jahrhunderten gepflegt.

Puppenköpfe mit Wuschelhaar und fratzenhaftem Blick sind an Holzstäben befestigt. Künstliche blaue Augen mit Wimpern stecken in einem Schaumstoff-Behälter. Die 72-jährige Puppenbauerin öffnet in ihrer gemütlichen Werkstatt einen Koffer: Stabpuppen, Marionetten, Stockpuppen. Heym hat alle gebaut und zu allen fallen ihr Geschichten ein. „In dem Moment, wenn ich eine Figur auf der Hand habe, fängt sie an zu leben“, sagt sie.

Die freundliche ältere Dame mit roten Haaren war Kindergärtnerin und gründete in den 1960er Jahren in Cottbus eine Amateurpuppenspielgruppe. Als Kindergärtnerin habe sie eine Weiterbildung rund um das Puppenspiel gemacht und sei seither nicht mehr davon losgekommen, erzählt sie. Sie schrieb Kinderstücke, führte Regie und baute die Puppen.

Noch heute fährt die Rentnerin hobbymäßig mit einer mobilen Puppenbühne durch Südbrandenburg und auch nach Sachsen. Sie tritt in Schulen und auf Weihnachtsfeiern auf, wie Heym erzählt. „Ich spiele gerne böse Rollen“, sagt die 72-Jährige und lacht. Die seien besonders interessant.

In der Elbe-Elster-Region gibt es viele Bezüge zum Puppenspiel. Sie gilt als Wiege des mitteldeutschen Wandermarionetten-Theaters. Das Kreismuseum in Bad Liebenwerda zeigt einen historischen Überblick. Es gibt Fotos von Familien, die mit ihren Pferdewagen durch die Gegend zogen. Die fahrenden Theatergruppen lebten in Orten wie Saathain, wie Museumsleiter Ralf Uschner berichtet. Viele Puppenspielerfamilien seien hier in der Gegend vor etwa 250 Jahren sesshaft geworden.

Dokumente und vor allem viele Puppen sind in der Dauerausstellung zu sehen. Auch das Marionetten-Handwerk wird erklärt. Die Puppenspielerfamilien traten zum Beispiel auf Marktplätzen oder in Gaststätten auf, wie Uschner erläutert. Er selbst habe das zu DDR-Zeiten noch als Kind erlebt.

Jährlich zieht es viele Puppenspieler aus dem In- und Ausland ins Elbe-Elster-Land. Das 19. Internationale Puppentheaterfestival ist für September geplant. Motto ist dieses Mal die Reformation.

Das Kreismuseum könnte bald mehr Aufmerksamkeit erhalten. Vor einiger Zeit kam eine private Sammlung aus Franken mit rund 2000 Puppen hierher. Sie bietet einen Querschnitt durch das Puppenspiel auf der ganzen Welt - ein vietnamesisches Wassertheater ist ebenso dabei wie die Ritter-Figuren eines Sizilianischen Marionettentheaters und zahlreiche Handpuppen und Marionetten aus Deutschland und Europa. In diesem Jahr solle ein erweitertes Ausstellungskonzept erarbeitet werden, erläutert Ralf Uschner. 

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