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Bahnwerk Eberswalde : „Wirtschaftliche Schieflage bis hin zur Insolvenz“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bayrischer Investor des Bahnwerks Eberswalde schockt seine Mitarbeiter und droht mit Kündigungen

svz.de von
erstellt am 02.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Als im Mai die Deutsche Bahn und der Investor Quantum einen Kaufvertrag unterschrieben, glaubte man das Bahnwerk Eberswalde gerettet. Nun aber droht erneut das Aus.

Eigentlich sollte 2017 ein gutes Jahr für das Bahnwerk Eberswalde (Barnim) werden. Schließlich geht mit der Übernahme durch den Investor Quantum Capital Partners AG aus München ein monatelanger Kampf um die Rettung des Unternehmens zu Ende. Und nun das: Quantum droht in einem Schreiben an die Fast-schon-Mitarbeiter mit betriebsbedingter Kündigung beziehungsweise „Schließung des Werks Eberswalde innerhalb der ersten Wochen des neuen Jahres“. Unterschrieben pikanterweise vom Personalreferenten der EBW Eisenbahnwerk Eberswalde GmbH – dem ehemaligen Betriebsratschef Ulf Boehnke, der sich in die Dienste des Investors begeben hat.

Zwei Gründe nennt der neue Betreiber für die überraschende Drohung mit dem Aus: Ganz plötzlich habe man von Brandschutzmängel erfahren, deren Existenz der Deutschen Bahn seit Jahren bekannt gewesen seien und deren Beseitigung 2,4 Millionen Euro kosten würde. Eine Umsetzung des Brandschutzkonzeptes sei geeignet, das Werk „sehr kurzfristig in eine erhebliche wirtschaftliche Schieflage bis hin zur Insolvenz“ geraten zu lassen. Nächster Punkt: Der noch immer ausstehende Tarifvertrag mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die EVG blockiere. Dabei müsse man vom hohen DB-Tarifniveau wegkommen. Nur dann habe „das Werk Eberswalde überhaupt eine Zukunftsperspektive“.

Die so Beschuldigten weisen alle Vorwürfe von sich. Der für Berlin-Brandenburg zuständige Sprecher der Deutschen Bahn, Burkhard Ahlert, erklärt: „Wir teilen die im Schreiben gegen DB Fahrzeuginstandhaltung erhobenen Vorwürfe nicht. Wir werden uns dazu direkt mit dem Investor Quantum in Verbindung setzen.“ Und EVG-Sprecher Uwe Reitz beteuert, dass man in engem Kontakt zur Geschäftsführung stehe und sich in keinster Weise einer Einigung verweigere, auch wenn man das Beste für die Kollegen herausholen wolle. Der Geschäftsführer der EBW heißt Thomas Steiner. Zu dem von seinem Unternehmen aufgezeigten Horrorszenario will er nichts sagen. Er sei Angestellter, man müsse den Investor fragen. Dort bekommt man zur Auskunft, alle Verantwortlichen befänden sich im Urlaub.

Im EBW-Schreiben an die Mitarbeiter heißt es, dass man prüfe, ob man Kurzarbeit Null beantragen könne – die Personalkosten würden so zum Teil auf die Bundesanstalt für Arbeit abgewälzt. Die für Montag angesetzte Betriebsversammlung könnte also anstelle eines Neuanfangs für einen Abgesang stehen.

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