Bahnstreik : Zugverkehr lahmgelegt

Personenzüge stehen still – wie hier im ehemaligen Güterbahnhof in Schwerin.
Personenzüge stehen still – wie hier im ehemaligen Güterbahnhof in Schwerin.

Millionen Fahrgäste betroffen. Nur jeder dritte Fernzug fuhr. Auf Autobahnen bildeten sich lange Staus.

svz.de von
23. April 2015, 08:00 Uhr

Die Kundin ist frustriert. „Da ist man schon auf den Ausweichfahrplan angewiesen und sitzt endlich im Zug, und dann fährt er einfach nicht los“, schimpft die Bahnfahrerin auf Facebook. „Vom Vorstand bis zum Schaffner ist es jedem im Unternehmen egal, ob die Kunden pünktlich ihr Ziel erreichen oder nicht“, schreibt ein anderer. Ob in den Callcentern oder Online: Hier entlädt sich Frust.

Zum siebten Mal innerhalb von wenigen Monaten haben die Lokführer der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Zugverkehr lahmgelegt – und wieder haben die Mitarbeiter alle Hände voll zu tun, um aufgebrachte Kunden zu beschwichtigen und ihnen Züge herauszusuchen, die trotz des Streiks noch fahren. „Wir haben die Schichten verlängert, um die Arbeit zu schaffen“, sagt Christiane Osterseher. Seit vier Uhr morgens ist die Abteilungsleiterin im Berliner Kundendialog-Center Einsatz, um gemeinsam mit neun Kollegen Anfragen über Twitter, Facebook und andere soziale Medien zu beantworten.

Millionen Fahrgäste waren gestern vom Streik der Lokführer betroffen. Nur jeder dritte Fernzug fuhr, im Nahverkehr war in manchen Regionen nur jede siebte S-Bahn oder jeder siebte Regionalzug im Einsatz. Auf Autobahnen bildeten sich lange Staus, weil viele Pendler auf das Auto umstiegen. Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihre Mitglieder noch bis heute Abend zum Streik aufgerufen. Die GDL wirft dem Unternehmen vor, die Verhandlungen zu verzögern und zu blockieren. Im Gegenzug nannte der Bahn-Personalchef Ulrich Weber den Streik „überflüssig und schädlich“. Doch das ist noch nicht alles: Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), mit der die Bahn parallel verhandelt, hat mittlerweile mit Streiks gedroht.

Während sich Bahn und GDL darum streiten, worüber sie eigentlich bisher verhandelt haben und was erreicht wurde, müssen die Kundendienstmitarbeiter die ganz normalen Probleme der Kunden bewältigen. Allein im morgendlichen Berufsverkehr hatten gestern 1500 Bahnfahrer an das Unternehmen getwittert oder eine Anfrage auf der Facebook-Seite gepostet. Bei der Telefon-Hotline waren schon am Vortag 62 000 Anrufe eingegangen, bis gestern am frühen Nachmittag riefen 25  000 Kunden an.

Auf allen Kanälen twittern, posten und telefonieren Bahn-Mitarbeiter, um die Kunden zu besänftigen. Eine Informationsoffensive gegen Streikfrust. Seit Ende 2011 informiert die Bahn ihre Kunden auch bei Facebook und über andere Kanäle im Internet.

Die Fahrgäste würden eher sachlich reagieren, so der Leiter des Kundendialogs, Jürgen Gudd. In der Tat sind die Fahrgäste oftmals schon gar nicht mehr so aufgebracht, wenn sie an die Bahn schreiben. „Die Auskunft von DB-Bahn ist top, das muss ich auch mal sagen“, twittert ein Kunde. Eine andere Kundin lobt, dass bei ihr der Ersatzfahrplan bisher bestens informiert habe. „Habt ihr gut gemacht“, schreibt sie auf Facebook. Nach bislang sechs Streiks hat sich bei den Fahrgästen eine gewisse Routine eingestellt.



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