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Freizeit- und Sportbad : Wettkampf um Badegäste

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Potsdam beginnt mit dem Bau eines umstrittenen Projektes / Werderaner Blütenträume geraten ins Stocken

svz.de von
erstellt am 17.Sep.2014 | 18:06 Uhr

In Potsdam laufen die Vorbereitungen für den Neubau eines Freizeit- und Sportbades. Fast zehn Jahre Streit um Geld und Standorte sind dem vorausgegangen. Im benachbarten Werder wollte man schneller sein. Dort steht ein fast fertiger Bau, bei dem ums Geld und die Eröffnung gepokert wird.

Am Fuße des Potsdamer Brauhausberges wühlen die Bagger im Erdreich. Bauvorbereitung nennt sich das. Vor Jahren waren dort schon einmal die Bagger zugange. Für rund vier Millionen Euro wurde die Fläche von Altlasten befreit, weil man ein spektakuläres Bad bauen wollte. Kurz danach war erst einmal für Jahre Schluss.

Vor zehn Jahren kam die Potsdamer Rathausspitze auf die Idee, sich ein neues attraktives Schwimmbad bauen zu lassen. Die Zeit drängte, weil die EU-Fördertöpfe für solche touristischen Großprojekte mit dem Ende der Förderperiode 2007 versiegen sollten. Also gab es keinen Wettbewerb, sondern der fast hundertjährige brasilianische Stararchitekt Oscar Niemeyer wurde mit dem Entwurf beauftragt.

Seine Bäderlandschaft aus weißen Halbkugeln sollte in der ersten Variante 48 Millionen Euro kosten. Das Wirtschaftsministerium bezweifelte die Förderfähigkeit, und es begann ein Potsdam-typischer Streit, in dessen Folge die Kosten erst auf 32 Millionen Euro runtergerechnet wurden, dann der Standort infrage gestellt, dann nur noch eine einfache Schwimmhalle im Norden geplant wurde und dann nach einer Einwohnerbefragung und einem neuen Wettbewerb nun am Brauhausberg der Entwurf von Stararchitekt Meinhard von Gerkan umgesetzt wird.

Der Bau, der im Dezember offiziell beginnen soll, wird 36 Millionen Euro kosten. Zwei Jahre Bauzeit sind geplant. Vom reinen bescheidenen Zweckbau ist keine Rede mehr. Stattdessen sind ein großes Becken mit zehn Bahnen für internationale Wettkämpfe und eine Zuschauertribüne vorgesehen. Rutschen, Kinder- und Familienbecken sind eine Selbstverständlichkeit. Ein halbes Dutzend Saunen samt Außenbereich und Dachterrasse sollen den Wellnesskunden für das neue Bad gewinnen.

Wenige Kilometer havelaufwärts steht bereits der Rohbau eines Freizeitbades, der künftigen Blütentherme in Werder. Die Stadt liebäugelte lange schon mit einer Schwimmhalle. Als sich abzeichnete, dass Potsdam das Niemeyerprojekt mit seinen Spaßbadangeboten nicht verwirklicht, entschied man sich, nicht nur für den Schul- und Breitensport zu bauen, sondern eine Therme zu errichten. Ein Investor und Betreiber wurde europaweit gesucht und gefunden. 18 Millionen Euro stellte die Stadt zur Verfügung. Eröffnung sollte schon im vergangenen Jahr sein, dann im Frühjahr, im Herbst und Ende dieses Jahres. Letzteres ist nicht zu halten, weil der Investor drohte, die Bauarbeiten einzustellen. Es geht um mehr Geld von der Stadt. Die Frage ist, ob die Blütentherme schnell eröffnet, wie die Stadt es wünscht, oder ob man auf die nun doch drohende Konkurrenz durch das Wellnessangebot im künftigen Potsdamer Bad die Therme gleich mit mehr Attraktionen ausstattet.

Welches Bad zuerst eröffnet und wer sich am Markt durchsetzt, ist offen. Der mögliche Verlierer könnte jedoch schon feststehen. In Bad Belzig war in den 1990ern mit Fördergeldern die Stein-Therme gebaut worden. Trotz Totalsanierung vor einigen Jahren blieben die Besucherzahlen immer wieder hinter den Erwartungen zurück. Kommunalpolitiker aus Potsdam-Mittelmark hatten mehrfach vor zusätzlichen Konkurrenzangeboten im Norden des Kreises gewarnt. Unter den Stadtverordneten in Werder heißt es dagegen, die Stein-Therme sei eh nicht zu retten und Potsdam werde auch keine Konkurrenz für die Blütentherme – wenn sie erst eröffnet ist.

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