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Anbau von Raps : Wenn der Diesel blüht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Halb Brandenburg ist derzeit ein gelbes Blütenmeer – die riesigen Rapsflächen lassen Zweifel an der landwirtschaftlichen Vielfalt aufkommen. Experten geben aber Entwarnung.

Die Felder sind immer wieder ein beeindruckender Anblick. Doch in diesem Jahr fällt die gelbe Pracht besonders ins Auge. Ist der Raps also auf dem Vormarsch? Droht gar eine Monokultur-Wirtschaft mit der Energiepflanze? Holger Brantsch, Sprecher des Landesbauernverbands, winkt ab. „Der Raps wirkt derzeit so dominant, weil er drei Wochen früher dran ist als sonst, weil es das erste ist, was blüht“, sagt er. Außerdem gehe unter den Landwirten der Trend dahin, die Frucht an einigen Standorten zu konzentrieren, weil sich die Felder so besser bewirtschaften lassen. Auf diese Art würden größere Raps-Flächen entstehen.

Unter dem Strich wachse er derzeit auf 132 000 Hektar, 1000 Hektar mehr als im Vorjahr, was insgesamt gut 13 Prozent der märkischen Ackerfläche ausmache. Henrik Wendorff, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Märkisch-Oderland, schwärmt regelrecht vom Raps. „Er ist vielfältig nutzbar, das macht ihn so interessant“, erzählt er. Etwa die Hälfte einer jeden Ernte werde technisch genutzt, also vor allem als Zusatz für Dieselkraftstoff, aber auch für Kosmetika und Reinigungsmittel. Die andere Hälfte werde etwa als Speiseöl für die Menschen oder als sogenannter Rapskuchen für die Milchviehfütterung verwendet.

Auch die Anbaueigenschaften seien gut. „Raps lockert den Boden, unterdrückt Unkraut. Das ist gut für die nächste Frucht.“ Per Züchtung und besserer Anbauverfahren sei es darüber hinaus in den vergangenen Jahren gelungen, Spitzenerträge von fünf Tonnen pro Hektar zu erzielen.

Der übliche Kreislauf sei so: Im August wird der Raps gesät und je nach Wetterverlauf im Jahr darauf etwa Mitte Juli geerntet. Auf der Fläche folge dann ab Mitte September zum Beispiel Winterweizen, der dann im nächsten August geerntet wird.

„Monokultur-Wirtschaft, also mehrmaliger Anbau hintereinander auf derselben Fläche, ist beim Raps ausgeschlossen“, betont Henrik Wendorff. Zumindest widerspreche das der „guten fachlichen Praxis“. Wendorff will nicht ausschließen, dass sich einzelne Bauern des schnellen Geldes wegen über diese Regeln hinwegsetzen. „Im Straßenverkehr gibt es auch Leute, die schneller als erlaubt unterwegs sind.“ Aber der Kreisbauernchef versichert: „Jeder Fehler bei der Bodenbearbeitung wird bestraft.“

Holger Brantsch sagt es so: „Man steckt nicht im Bauern drin. Aber kippt die Mineralmischung im Boden, sinken die Erträge. Das will niemand.“ Die Naturschützer von Nabu und Bund beäugen den großflächigen Rapsanbau argwöhnisch, warnen vor „ökologischen Wüsten“, zu viel Dünger und Pestiziden, dem Verlust von Artenvielfalt. Das Gesamturteil von Friedhelm Schmitz-Jersch, Nabu-Vorsitzender in Brandenburg, lautet jedoch: „Immer noch besser als Mais.“

Axel Heinzel-Berndt vom Bund sieht es genauso. Anders als der Mais biete der Raps Bienen Nahrung. Kritisch sieht er, dass die Bauern allgemein mehr und mehr zu Energiewirten werden, was sich auf die Umwelt negativ auswirke. „Die Energiebilanz der Pflanzen ist fragwürdig. Im Vergleich dazu haben Windräder einen besseren Wirkungsgrad“, sagt Axel Heinzel-Berndt.

Den Schwarzen Peter reicht Bauernverbandssprecher Brantsch umgehend wieder zurück. „Es war ursprünglich nicht unsere Idee, dass Bauern verstärkt Energiepflanzen anbauen, sondern die der Grünen“, erinnert er. „Renate Künast pries die Landwirte einst als die ‚Ölscheichs von morgen‘.“

Ob die derzeitige gelbe Pracht hält, was sie verspricht, ist in den Augen von Holger Brantsch fraglich. „Schaut man genau hin, ist die gelbe Decke nicht dicht, sondern löchrig.“ Von Temperatur und Feuchtigkeit hänge es nun ab, ob es dennoch eine gute Rapsernte wird.

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