Schaustellergewerbe stöhnt unter steigenden Kosten: : Weihnachtsmarkt als Rettung

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Die Wirtschaftlichkeit auf den Volksfesten im restlichen Jahr wird dagegen immer mehr zum Problem. „Ohne Weihnachtsmarkt gäbe es längst keine Schausteller mehr“, sagt Henry Probst.

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30. November 2014, 08:01 Uhr

Für die brandenburgischen Schausteller ist Hochsaison. Die Weihnachtsmärkte werden immer wichtiger. Die Wirtschaftlichkeit auf den Volksfesten im restlichen Jahr wird dagegen immer mehr zum Problem.

„Ohne Weihnachtsmarkt gäbe es längst keine Schausteller mehr“, sagt Henry Probst, Erster Vorsitzender des Lausitzer Schaustellerverbandes. Der Karussell-Betreiber sieht sein Gewerbe durch steigende Kosten auf schwere Zeiten zusteuern. Vor allem die Volksfeste das ganze Jahr über verzeichnen vielerorts rückläufige Besucherzahlen. „Es fehlt oft an Attraktionen, die junge Leute anziehen“, berichtet Probst.

Das Problem entstand zu Beginn der 90er Jahre. Damals schwappte der Trend nach Ostdeutschland, Jugendliche mit immer schnelleren und höheren Hightech-Geräten anziehen zu wollen.

Viele Schausteller investierten und verschuldeten sich. Allerdings finden Jugendliche inzwischen vielerorts die Möglichkeiten sich auszutoben und der demografische Wandel mit weniger Nachwuchs machte sich auch auf den Rummelplätzen bemerkbar.

Eine Studie des Bundesverbandes der Schausteller empfiehlt, sich mehr auf die zahlungsfähige Klientel ab 40 zu konzentrieren. Um diese wieder stärker für Volksfeste gewinnen zu können, sollte das Sicherheits- und Sauberkeitsbedürfnis der Kunden ernster genommen werden.

Henry Probst berichtet, dass er seine teuren Fahrgeschäfte längst nach Amerika verkauft hat. Aber nur Kinderkarussells und Zuckerwatte locken nicht genug Gäste auf die Jahrmärkte. Hinzu kommen steigende Energiekosten für die Beleuchtung. Gerade im Herbst und Winter muss man die Kunden mit viel buntem Licht und gegebenenfalls Musik anlocken. Auch der Mindestlohn, der demnächst für die Hilfskräften zu zahlen ist, ist eine zusätzliche Belastung. „Bei mit sitzt immer wieder meine 80jährige Mutter an der Kasse“, berichtet Probst. Und einfach die Preise erhöhen, vertreibt die Kunden eher als dass es die Einnahmen steigert. Ins Kontor schlägt auch, dass viele Kommunen die Standgelder immer weiter anheben.

Thomas Müller, Chef des Brandenburgischen Schaustellerverbandes „Sanssouci“, sieht die Situation ähnlich wie sein Kollege. Mit großen modernen Fahrgeschäften lohnt es sich für ihn nur noch in Berlin anzutreten, wo genügend Publikum zu erwarten ist.

Viele Familienunternehmen betreiben gleichzeitig ein Fahrgeschäft und Bierstände oder Cafès. Flexibilität ist Trumpf. Aber auch für Müller gilt: Ohne Weihnachtsmarkt geht eigentlich gar nichts mehr. Wenn es da nicht gut läuft, wird es für die Schausteller richtig schwer.

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