Kriminalität im Internet : Verhängnisvolle Jobs

Wenn im Internet der schnelle Euro winkt, haben oft Kriminelle ihre Finger im Spiel.
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Wenn im Internet der schnelle Euro winkt, haben oft Kriminelle ihre Finger im Spiel.

In Brandenburg gibt es immer mehr Fälle von Geldwäsche. Komplizen werden mit E-Mails geködert.

svz.de von
03. Juli 2014, 15:04 Uhr

Dem 69-jährigen Rentner aus Oranienburg erschien das Angebot einer angeblichen Immobilienfirma verlockend: Vier Prozent Provision, wenn er sich bereit erklärt, Geld auf sein Konto überweisen zu lassen und dieses an einen anderen Empfänger weiterzuleiten. Zwei Mal flossen so jeweils 7000 Euro auf sein Bankguthaben – der pensionierte Ingenieur Uwe S.* erhielt dafür knapp 600 Euro.

Als seine Hausbank um Aufklärung über die ungewöhnlichen Transfers bat, recherchierte T. seinen Auftraggeber und stellte fest, dass dieser nicht existierte. Eine Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt half T. jedoch nicht – im Gegenteil: Die Staatsanwaltschaft Neuruppin verhängte einen Strafbefehl gegen den Rentner wegen Geldwäsche. Denn die Gelder stammten aus kriminellen Geschäften.

Immer wieder bearbeitet der Eberswalder Oberstaatsanwalt Thomas Meyer ähnliche Fälle. In der Außenstelle der Frankfurter Strafverfolgungsbehörde werden schwerpunktmäßig Geldwäsche-Verfahren bearbeitet, in die immer häufiger auch Brandenburger verwickelt sind, nachdem sie im Internet oder per E-Mail geködert wurden. „Die Angebote werden meist von Computern im Ausland verschickt, an die Hintermänner zu gelangen ist kaum möglich“, sagt er.

Angeblich seriöse Firmen verschicken derzeit wieder millionenfach Spam-Mails an elektronische Briefkästen auch in Brandenburg, in denen „Finanzmanager“ oder „Treuhandagenten“ gesucht werden. Der versprochene „hohe Nebenverdienst in kurzer Zeit“ besteht darin, das eigene Girokonto zur Verfügung zu stellen und die dorthin überwiesenen Summen abzuheben und per Bargeldtransfer ins Ausland weiterzuleiten.

„Viele, die da mitmachen, reizt der schnelle Euro“, sagt Meyer. Oft hört der Staatsanwalt dennoch bei Ermittlungen in Geldwäsche-Verfahren von den angeworbenen Strohmännern die Aussage, man habe nicht gewusst, dass der Job illegal sei. „Seit Jahren wird auf allen Kanälen vor dieser Masche gewarnt“, betont er. „Wer auf diese Geschäfte eingeht, macht sich strafbar.“ Allerdings enden die Verfahren gegen Brandenburger Beteiligte meist mit Geldstrafen oder Verwarnungen. Amtsgerichte in Brandenburg bestätigen: Diese Fälle häufen sich.

Meist stammen die Gelder nach den Erkenntnissen von Meyer aus betrügerischen Abbuchungen von Konten, deren Daten über das sogenannte Phishing ausgespäht wurden. Aber auch nach betrügerischen Internet-Auktionen, bei denen Waren nie verschickt wurden, laufen die Überweisungen über „Finanzagenten“. Im Regelfall würden ihnen zehn Prozent Provision versprochen, sogar fingierte Arbeitsverträge zugeschickt, erzählt Meyer. „Die strotzen vor Rechtschreibfehlern, spätestens da sollten die Alarmglocken schrillen.“

Insgesamt 780 neue Fälle von Geldwäsche sind im vergangenen Jahr bei den Staatsanwälten in Eberswalde eingegangen, 2012 waren es lediglich 622. Derzeit werden über 1000 Verfahren von Meyer und seinen drei Kollegen bearbeitet. Weitaus weniger Fälle hat die Polizei registriert: 181 waren es im Jahr 2013.

Nicht nur aus dem Internetbetrug sondern auch aus anderen kriminellen Machenschaften stammen Gelder, die gewaschen werden sollen – aus dem Drogenhandel, von Steuerbetrügern oder von Zigarettenschmugglern. Vielfach werden damit Immobilien erworben. „Dahinter stecken international verzweigte Banden“, sagt Meyer. So hat seine Behörde einen Zigarettenschmugglerring ermittelt, der 380 000 Euro Gewinne ins Ausland transferierte. In einem anderen großen Verfahren, das vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) anhängig ist, wird ein Autohaus-Inhaber aus Erkner (Oder-Spree) beschuldigt, Drogengelder für Neuwagen angenommen zu haben.

Angesichts immer neuer Methoden, in die auch kleine Firmen verstrickt sein können, haben Bund und Länder ihre Aufklärungsarbeit verstärkt. „Unser Fazit ist, dass die Unternehmen sehr aufmerksam sind“, sagt der Sprecher des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums, Steffen Streu. Bei Stichproben hätten Prüfer keine Unregelmäßigkeiten festgestellt. Dabei seien nicht nur Banken, sondern auch Händler und Makler zu besonderer Sorgfalt im Umgang mit Kunden verpflichtet. Wenn jedoch viel kriminelle Energie im Spiel sei, nützten auch Warnungen nichts, betont Streu. (*Name geändert)

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