Einsatz gegen Abmahnindustrie : Verbraucherschützer klagen über Geldnot

Verbraucherschützer geben Tipps gegen Fallen.
Verbraucherschützer geben Tipps gegen Fallen.

Die Brandenburger Zentrale erwartet größeres Engagement vom Land, um Bürger besser beraten zu können.

svz.de von
03. Juli 2014, 23:28 Uhr

Die Verbraucherzentrale Brandenburg kann wegen massivem Geldmangel die Bürger in vielen wichtigen Fragen nicht beraten. Darauf machte Geschäftsführer Christian Rumpke anlässlich der Präsentation des Jahresberichts der Einrichtung für 2013 aufmerksam.

Mehr als 65 000 Brandenburger holten sich demnach im vergangenen Jahr bei den Experten Rat. Die Anfragen drehten sich etwa um Hochwasserschäden, die neuen Rundfunkbeiträge oder eine Welle von zweifelhaften Abmahnungen gegen Internetnutzer. „Mit Sorge beobachten wir, wie sich eine Abmahnindustrie formiert, der es darum geht, durch die Einschüchterung von Verbrauchern schnelles Geld zu machen“, sagt Rumpke.

Um alle Bürgeranfragen schnell und kompetent zu beantworten, fehle der Verbraucherzentrale allerdings die notwendige Finanzausstattung. „Wir können bestimmte Themen nicht bedienen“, erklärt Rumpke. „Zu Problemen mit klassischer Abzocke kommen immer mehr Fragen zu den Themen Vorsorge und Finanzen.“ Auch nehme die Nachfrage nach Angeboten zur Verbraucherbildung sowie nach Beratung zu Versicherungen und Pflegerecht stark zu. Personell schlecht ausgestattet sei außerdem das deutsch-polnische Beratungszentrum in Frankfurt (Oder). „Dort kümmert sich eine einzige feste Mitarbeiterin um Anfragen aus ganz Brandenburg und auch Berlin zu diesem wichtigen Verbraucherthema.“


Hoffnung auf Zusagen im Wahlkampf


Bislang erhalte die Verbraucherzentrale vom Land knapp 1,7 Millionen Euro pro Jahr. „Wir brauchen aber mindestens einen Euro pro Einwohner im Jahr, also 2,4 Millionen Euro“, sagt Rumpke. In Sachsen fließe bereits ein Zuschuss in dieser Höhe.

Er habe den zusätzlichen Finanzbedarf bereits bei der Landesregierung und den Landtagsabgeordneten angemeldet, berichtet Rumpke. Er sei dabei durchaus auf Verständnis getroffen und hoffe nun, dass es im Zuge des Wahlkampfs konkrete Zusagen zugunsten der Bürger gebe.

Derzeit verfüge die Verbraucherzentrale über 30 Beratungsstellen im ganzen Land. Allerdings seien die Öffnungszeiten wegen Personalmangel oft sehr eingeschränkt. „Viele Büros verströmen zudem den Charme der 1990er.“ Auch hier müsse etwas getan werden, appelliert Christian Rumpke. Den Anschluss an die moderne Welt nicht zu verlieren, müsse darüber hinaus auch der Anspruch für die Online-Präsenz der Verbraucherzentrale sein. „Wer im Internet nach Hilfe sucht, muss in der Lage sein, uns zu finden“, sagt der VZB-Chef. „Auch eine bessere Präsenz in Suchmaschinen kostet Geld.“

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