Schock für tausende Beschäftigte in der Lausitz:  : Vattenfall prüft Tagebau-Verkauf

Vattenfall erwägt einen Verkauf seiner deutschen Braunkohlesparte in der Lausitz.
Vattenfall erwägt einen Verkauf seiner deutschen Braunkohlesparte in der Lausitz.

Dabei könne es um einen kompletten oder teilweisen Verkauf der Braunkohle-Tagebaue und Kraftwerke in Brandenburg und Sachsen gehen. Seit 2010 setze das Unternehmen bei Neuinvestitionen nur noch auf erneuerbare Energieträger.

svz.de von
01. November 2014, 16:00 Uhr

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall erwägt einen Verkauf seiner deutschen Braunkohlesparte in der Lausitz. Dabei könne es um einen kompletten oder teilweisen Verkauf der Braunkohle-Tagebaue und Kraftwerke in Brandenburg und Sachsen gehen, sagte Sprecher Stefan Müller kürzlich. „Unsere Strategie sieht klar eine Reduzierung unserer Kohlendioxid-Exponierung und eine Umstellung unseres Erzeugungs-Portfolios auf erneuerbare Energien vor“, erklärte Konzernchef Magnus Hall in Stockholm.

Seit 2010 setze das Unternehmen bei Neuinvestitionen nur noch auf erneuerbare Energieträger, sagte Müller. Zum Zeitplan für den möglichen Verkauf wollte er zunächst nichts sagen. Er sprach von einem „ganz offenen Prozess“. Mit Brandenburg und Sachsen will Vattenfall dabei laut Mitteilung einen „engen Dialog“ führen. „Offenbar bestehen in der Unternehmensführung als auch beim Eigentümer weiterhin nur vage Vorstellungen zur zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens“, kritisierte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).
„Das finde ich nach den vielen Diskussionen in den vergangenen Jahren unbefriedigend.“ Er erwarte, dass vor allem innerhalb der neuen schwedischen Regierung rasch Klarheit über die zukünftige Unternehmensstrategie in Deutschland geschaffen wird. „Ministerpräsident Stefan Lövfen und seine Regierungsmannschaft tragen hierfür Verantwortung“, so Woidke. Unabhängig der Entscheidung von Vattenfall gelte aber, dass die Braunkohleverstromung nach dem Atomausstieg ein unverzichtbarer Baustein der Energiewende in Deutschland bleibe.

Ähnlich äußerte sich Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke): „Im Interesse der Kollegen, aber auch der vom Braunkohletagebau betroffenen Einwohner in der Lausitz, muss der derzeitig unerträgliche Zustand der Ungewissheit beendet werden.“ Dies sei die Bringeschuld gerade eines staatlichen Unternehmens. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Ness forderte Vattenfall auf, zügig über Investitionen in der Lausitz zu entscheiden. Nur durch neue Investitionen könnten, unabhängig von der Eigentümerstruktur der Tagebaue, die Kohle-Arbeitsplätze in der Lausitz gesichert werden.

Dagegen lehnten die Brandenburger Grünen die Verkaufspläne Vattenfalls weiter ab. „Damit wäre zwar der schwedischen Klimabilanz, nicht aber dem Weltklima gedient“, so der brandenburger Fraktionsvorsitzende Axel Vogel. „Wenn die Kraftwerke in neuer Eigentümerschaft eines Hedgefonds oder eines anderen Energiekonzerns weiter laufen würden, wäre das Ganze ein klimapolitisches Nullsummenspiel.“

Ähnlich formulierte es die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Es sei zwar zu begrüßen, dass Vattenfall klimafreundlicher werden wolle, so Greenpeace-Energieexperte Karsten Smid in Hamburg. Aber dafür könne der Konzern das klimaschädliche Geschäft nicht einfach abstoßen: „Ein Verkauf löst das Problem nicht, sondern reicht es lediglich weiter.“ Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock appellierte an die Bundesregierung, dem Beispiel Schwedens zu folgen, und den Ausstieg aus der Kohleverstromung einzuleiten.

Der energiepolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Steven Breetz, forderte eine Regierungserklärung zur Braunkohle. „Brandenburgs Landesregierung ist aufgefordert, den Landtag umgehend über die Situation und das weitere Vorgehen bezüglich der Lausitzer Braunkohle aufzuklären und zu informieren“, so Bretz. „Die Geheimniskrämerei und Hinterzimmerpolitik der amtierenden Landesregierung muss ein Ende haben.“ Der Abbau der Braunkohle habe in der Lausitz Tradition und sichere viele tausend Arbeitsplätze. Der CDU-Fraktion gehe es um eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung für Menschen und Unternehmen.“


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