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Massentierhaltung : Strom statt Schweine

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein Jahr nach der formellen Genehmigung der Schweinemast im uckermärkischen Haßleben ist dort noch kein Tier zu sehen.

Auf dem Gelände der umstrittenen Schweinemastanlage in Haßleben (Uckermark) ist die Produktion in vollem Gange. Öko-Strom statt Industrie-Schweine. Die Stalldächer, vollgepackt mit Solarplatten, glänzen in der Sonne. Die Schweinemast lässt indes auf sich warten, obwohl das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg dem Investor vor einem Jahr grünes Licht dafür gab: Die Haßlebener Schweineproduktion und Recycling GmbH kann starten, sofern über die Widersprüche der Umweltverbände abschließend entschieden ist. Diese Entscheidung steht noch immer aus.

„Trotz der langen Zeit gibt es noch Befürworter“, sagt Frank Skomrock von der Bürgerinitiative Pro Schwein – für Arbeitsplätze und sozialen Ausgleich. Viele stünden noch für das Projekt, wenn auch eher nicht öffentlich. Durch den Investor habe ein knappes Dutzend Uckermärker Arbeit gefunden – in den Anlagen des Niederländers in Sachsen-Anhalt. „Seit zehn Jahren, feste Verträge“, betont Skomrock. Der Investor stehe also zu seinem Wort und beschäftige Leute. Helmut Rehhahn, Projektleiter des Investors, bestätigt diesen Fakt. „Die sind eingestellt, weil es in der Uckermark nicht geht“, erklärt er.

Das große Schild der Initiative an der Kreuzung im Ort wurde im Sommer 2013 abgefackelt. Jetzt prangt ein neues dort. Es zeigt eine Waage, die Balance sucht zwischen einem Touristen links und einem Schwein rechts, wie Skomrock beschreibt. „Es braucht einen bestimmten Ausgleich zwischen Tourismus und Landwirtschaft“, meint er. Skomrock hofft, dass die Anlage doch noch in Betrieb genommen werden kann. Der Investor will dort knapp 37 000 Schweine halten. Der Projektleiter schließt sich an: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Doch auch die Umweltschützer geben sich zuversichtlich und hoffen auf das Gegenteil. Mit ihren Einwänden gegen das umstrittene und langwierige Vorhaben haben sie die Genehmigung zwar nicht verhindert, aber doch Hürden aufgebaut. „Wir werden nicht nachlassen und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen“, betont Friedhelm Schmitz-Jersch, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Brandenburg. Haßleben sei gewissermaßen das „Flaggschiff“ und stellvertretend für viele Anträge auf Mega-Ställe in Brandenburg. Zu DDR-Zeiten hatte die Schweinemast in der Landschaft viel Schaden angerichtet. „Diese Situation soll jetzt nicht wieder aufleben.“

Gert Müller von der Bürgerinitiative Kontra Industrieschwein sagt: „Wir erwarten noch Unterlagen, um dazu unsere Stellung abzugeben.“ Die Initiative zweifele beispielsweise an, dass der Brandschutz in den Ställen funktioniere. „Die Rettungswege sind lang“, gibt Müller zu bedenken. Gemeinsam blicken die Gegner auf ein Datum: Am 29. Juni ist eine Demonstration in Haßleben geplant, gegen industrielle Tierhaltung in Brandenburg, nach dem Motto „Wir haben es satt“. Die Kritiker der industriellen Mast in der Uckermark sehen die Umwelt, aber auch den Tourismus gefährdet. Die Befürworter stellen auf Arbeitsplätze ab.

Die Volksinitiative „Stoppt Massentierhaltung“ hat bisher landesweit mehr als 10 000 Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt. Sie will das Thema in den Landtag tragen. In Haßleben dauert der Streit um die Wiederbelebung der alten DDR-Anlage mit mehr als 150 000 Plätzen nun mehr als zehn Jahre. Der Investor wollte zunächst an die 80 000 Tiere mästen. In einem geänderten Antrag von 2012 geht es noch um rund 35 000 Plätze für Zuchttiere und Ferkel. Den ersten Antrag hatte die Behörde mit Verweis auf zu hohen Nährstoffeintrag abgelehnt.

Gert Müller ist über die Zeit zum Vegetarier geworden. „Ganz ohne Not“, wie er betont. Wenn man die Bilder sehe, die Tierschützer in solchen Anlagen machten, da bleibe einem der Bissen im Halse stecken. „Das ist kein Verzichtsgefühl. Man kann auch wunderbar anders essen.“

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