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Überziehungszins: : Stolze 16,57 Prozent sind es in der Prignitz

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Aus der Redaktion des Prignitzers

ie hohen Dispozinsen bei Girokonten sind ins Gerede gekommen – können sich doch Kreditinstitute Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB) quasi zum Nulltarif leihen. Nun bröckeln bei einigen Sparkassen zumindest die Überziehungszinsen.

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erstellt am 07.Feb.2015 | 22:05 Uhr

Die hohen Dispozinsen bei Girokonten sind ins Gerede gekommen – können sich doch Kreditinstitute Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB) quasi zum Nulltarif leihen. Nun bröckeln bei einigen Sparkassen zumindest die Überziehungszinsen.

Wird das Überziehen des Girokontos für Sparkassenkunden billiger? Alexander von Schmettow, Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), jedenfalls sagt, es gebe einen „starken Trend“, die Überziehungszinsen auf Girokonten abzuschaffen. „Inzwischen dürfte etwa die Hälfte der 416 deutschen Sparkassen auf den Überziehungszins verzichten“, weitere DSGV-Mitglieder dächten darüber nach. Allerdings: Damit ist nicht die Abschaffung des Dispozinses gemeint.

Der gilt für die Summe, die einem die Sparkasse angesichts des eigenen monatlichen Einkommens quasi als genehmigte Überziehung eingeräumt hat. Wer dann aber noch tiefer ins Minus gerät, zahlt den Überziehungszins. Der liegt gemeinhin deutlich über dem Dispo: Am teuersten ist die Überziehung bei der Sparkasse Prignitz – hier sind stolze 16,57 Prozent zu zahlen, was einen besonders großen Abstand von sechs Prozentpunkten zum Dispozins bedeutet. Bei den Sparkassen Märkisch-Oderland und Oder-Spree fünf Prozentpunkte über dem Dispo – und damit bei stolzen 16,2 beziehungsweise 15,85 Prozent. Vom Institut Oder-Spree heißt es, man habe sich „mit dem Thema auseinandergesetzt“, werde die Lage aber zunächst „weiter beobachten“, so Sprecher Holger Swazinna. Die Sparkasse Märkisch-Oderland hat sich laut Sprecherin Gabriele Lehmann gegen eine Zinsangleichung entschieden. Man setze wie beim Nachbarinstitut auf Beratung der Kunden, die im Minus sind. Außerdem liege die Überziehung „auf sehr niedrigem Niveau“.

Bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse beträgt die Differenz 4,5 Punkte. Daran etwas zu ändern, sagt Sprecher Robert Heiduck, sei „nicht ausgeschlossen“, allerdings konzentriere man sich darauf, die Kunden „gar nicht erst in diese Überziehungsregionen kommen zu lassen“. Warnhinweise auf Kontoauszügen, direkte Ansprache in der Filiale oder auch E-Mails sollen dazu beitragen.

Es gibt aber Brandenburger Sparkassen, die gehandelt haben. Bei der Sparkasse Barnim schlagen Dispo und weitere Überziehung mit 9,65 Prozent zu Buche. Bei der Sparkasse Uckermark gilt der niedrige Dispo von 7,89 Prozent auch für die Überziehung. Bei der Sparkasse Elbe-Elster sind, je nach Kontomodell, einheitlich für Dispo/Überziehung 8,50 bis 9,90 Prozent fällig. In der Sparkasse Niederlausitz gilt grundsätzlich 9,19 Prozent, in Ostprignitz-Ruppin 10,81. Bei fünf von elf brandenburgischen Sparkassen gilt also der Bundestrend.

Cosima Ningelgen, Pressesprecherin des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, würde zu niedrige Zinsen oder gar eine Abschaffung des Dispozinses für einen Fehler halten. „Damit treibt man doch die Kunden in die Verschuldung.“ Im Übrigen bestreitet sie, dass die hohen Zinsen für das Überziehen des Kontos den Instituten viel Geld in die Kasse spülen. Dazu sei der Verwaltungsaufwand zu hoch.

Das sehen Verbraucherschützer ganz anders. Da das Volumen für private Überziehungskredite rund 38 Milliarden Euro beträgt, verdienen nach Angaben der Stiftung Warentest die Kreditinstitute fast 3,8 Milliarden im Jahr, weil Kunden überziehen.

 

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