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Mindestlohn : Spargelstecher erhalten 7,20 Euro

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Einführung des Mindestlohns lässt Preise steigen und stellt Betriebe vor Probleme

svz.de von
erstellt am 15.Mai.2015 | 17:21 Uhr

Im Zuge der deutschen Mindestlohneinführung erhalten auch polnische, rumänische und andere Ernte-Saisonkräfte deutlich höhere Löhne. Insbesondere kleine Betriebe stoßen dadurch und durch die Konkurrenz von Spargel aus Polen an ihre Grenzen.

7,20 Euro pro Stunde – so hoch ist der erstmals ausgehandelte Tariflohn für Erntehelfer in den neuen Bundesländern, im Westen werden noch 20 Cent mehr gezahlt. In den kommenden beiden Jahren wird der Tarif stufenweise weiter bis auf 8,70 Euro steigen. „Zahlreiche kleinere Betriebe werden dadurch sterben, im vergangenen Herbst mussten bereits vier Obstbauern in Frankfurt (Oder) dichtmachen“, sagen die Frankfurter Unternehmer Claudia Schernus und Thomas Bröcker, die in der Saison bis zu 25 Erntekräfte beschäftigen.

Schernus verweist zudem auf die Differenz zu den Mindestlöhnen in Polen und Rumänien, die dort bei 2,31 beziehungsweise 1,14 Euro pro Stunde liegen. Hinzu komme die Konkurrenz von polnischen Obst- und Gemüseanbietern, die ihre Produkte aufgrund der geringeren Kosten in der Grenzregion billiger anbieten können.

Doch auch größere Unternehmen stellt der Kostenanstieg vor Probleme. „Unter fünf Euro je Kilo können wir beim Spargel in dieser Saison nicht gehen“, sagt der Landwirt Karl-Heinz Ricken, der in Vetschau im Spreewald sowie an anderen Standorten mehr als 1000 Saisonkräfte aus dem Ausland beschäftigt. „Das Problem für uns ist, dass die Bundesregierung zwar einen Mindestlohn, aber keine Mindestpreise beschlossen hat“, so der Unternehmer. Große deutsche Handelsketten versuchten nach wie vor die Abnahmepreise zu drücken und böten den Erzeugern für ihren Spargel nur 3,50 Euro je Kilo.

Dadurch, dass viele Erntekräfte es vorzögen, im Akkord – also nach Leistung – bezahlt zu werden, ließe sich der Kostenanstieg zwar noch etwas abfangen. „Gute Spargelstecher ernten zehn und mehr Kilo pro Stunde“, so Ricken. Wer es jedoch nicht auf mindestens sieben Kilo bringe, den müsse man aufgrund des neuen Lohns jetzt nach Hause schicken. Die höheren Löhne für die Erntekräfte, deren Einhaltung vom Zoll auch regelmäßig kontrolliert würde, habe andererseits aber noch nicht dazu geführt, dass sich mehr deutsche Interessenten als früher für diese Arbeiten meldeten.

Aus Verbrauchersicht ist das Spargelvergnügen dieses Jahr bisher eher teuer. „Wir haben derzeit noch ein hohes Preisniveau“, sagt Michael Koch von der Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft Ami. So habe ein Kilo weißer Spargel in dieser Woche im Schnitt bundesweit 6,74 Euro gekostet. Gegenüber der Vorwoche waren das 70 Cent weniger, jedoch im Vergleich mit derselben Woche des Vorjahres rund 23 Prozent mehr. Auf den polnischen Grenzbasaren liegt das Preisniveau derzeit bei vier Euro je Kilo. Die Brandenburger Erzeuger sehen darin eine Verzerrung des Wettbewerbs.

 

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