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Streit um Antibiotika : Rot-Rot verteidigt Bauern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Einsatz der Mittel in der Landwirtschaft soll reduziert werden – eigentlich.

Rund 30 000 Deutsche sterben nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene jährlich an Infektionen mit multiresistenten Keimen. Mit Erregern, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft. Schuld daran ist auch der massenweise Einsatz dieser Mittel in der Landwirtschaft: Während in der Humanmedizin pro Jahr rund 800 Tonnen Antibiotika zum Einsatz kommen, wurden nach Angaben des Münchener Helmholtz-Zentrums allein 2012 rund 1600 Tonnen dieser Präparate in der Veterinärmedizin verabreicht.

Was die Landtagsfraktion von der Bündnisgrünen gestern dazu brachte, die Antibiotika in der Landwirtschaft zum Thema im Landtag zu machen. Am 1. April trat die Novelle des Arzneimittelgesetzes in Kraft, die eine Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Landwirtschaft zum Ziel hat. Bislang allerdings wurde die Verwendung dieser Mittel in Brandenburg weder erfasst noch ausgewertet, kritisierte die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Ursula Nonnemacher. „Immer mehr Reserveantibiotika werden in der Nutztierhaltung eingesetzt, wo sie überhaupt nichts zu suchen haben“, so die Abgeordnete, die früher selbst als Ärztin praktizierte. „Die industrielle Tierproduktion bringt nicht nur unerträgliches Tierleid mit sich, die immensen Folgekosten durch Resistenzbildung und Umweltzerstörung tragen wir alle.“


Lobbyist der Bauern in Regierungsfraktion


Ganz anders äußerte sich anschließend Udo Folgart. Der SPD-Landtagsabgeordnete ist auch Präsident des Brandenburger Bauernverbands – und verteidigte dementsprechend die märkischen Landwirte mit Klauen und Zähnen. Landwirte würden die umstrittenen Präparate „verantwortungsvoll“ einsetzen. „Wer krank ist, hat ein Recht auf Behandlung“, sagte Folgart.

„Wenn regelmäßig Antibiotika ausgegeben werden, ist grundsätzlich etwas faul im Stall“, sagte dagegen der Linken-Abgeordnete Michael Luthardt. Die Bauernschaft täte gut daran, ihre Kritiker ernst zu nehmen und sie nicht pauschal zu verdammen. Der Tierschutz müsse bei Investitionsmaßnahmen in der Landwirtschaft künftig eine zentrale Rolle spielen. Auch Umweltministerin Anita Tack (Linke) sprach sich für einen geringeren Einsatz von Antibiotika aus.

Doch mit ihren Forderungen, etwa eine zentrale Informationsplattform zu Antibiotika in der Tierhaltung auf der Homepage des Gesundheitsministeriums einzurichten oder sich auf Bundesebene für ein Verbot von Mengenrabatten beim Kauf solcher Präparate einzusetzen, stießen die Grünen dennoch auf Granit. Die rot-rote Regierungsmehrheit lehnte ihren Entschließungsantrag ab – so wie eigentlich immer.


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