Wenig Mietsteigerung : Preiswert wohnen in der Mark

Die durchschnittliche Nettokaltmiete für BBU-Wohnungen lag in Berlin 2013 bei 5,30 Euro pro Monat und Quadratmeter.
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Die durchschnittliche Nettokaltmiete für BBU-Wohnungen lag in Berlin 2013 bei 5,30 Euro pro Monat und Quadratmeter.

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen hat seinen aktuellen Bericht zum regionalen Wohnungsmarkt vorgestellt. Demnach sind die Mieten in Berlin zuletzt vergleichsweise moderat gestiegen. In Brandenburg liegt der Anstieg vielerorts deutlich darunter.

svz.de von
11. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Nirgendwo anders in Brandenburg stehen so wenige Wohnungen leer wie in Potsdam. Die Leerstandsquote lag dort im vergangenen Jahr bei 2,5 Prozent. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach Wohnraum erneut rasant an. Und dennoch lebt es sich in der Landeshauptstadt im Vergleich zu anderen Großstädten wie etwa Hamburg oder Köln nach wie vor deutlich günstiger. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Auftrag des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) für seinen aktuellen Marktmonitor erstellte Studie, der gestern vorgestellt wurde. Besonders groß ist der Unterschied zu München. So fallen laut der Studie bei der Neuanmietung einer 60-Quadratmeterwohnung in Potsdam pro Jahr rund 60 Prozent weniger Mietzahlungen an als bei einem Vergleichshaushalt in der bayrischen Landeshauptstadt. Und auch in Berlin haben sich die Mieten zuletzt weiter vergleichsweise moderat entwickelt – trotz großer Nachfrage.

Der BBU zählt etwa 360 Mitgliedsunternehmen, die zusammen rund 1,1 Millionen Wohnungen in der Region bewirtschaften. Die durchschnittliche Nettokaltmiete für Wohnungen im Bestand der BBU-Mitgliedsunternehmen lag in Berlin im vergangenen Jahr bei 5,30 Euro pro Monat und Quadratmeter Wohnfläche. Das entspricht einem Anstieg um 2,7 Prozent im Vergleich zum Jahr 2012.

In Brandenburg lagen die Mieten im Schnitt bei 4,68 Euro kalt (plus 1,7 Prozent). In Potsdam wurden 5,34 Euro fällig. Auch in anderen Orten im Speckgürtel wie etwa Bernau oder Wildau wurden mehr als fünf Euro aufgerufen. Hingegen betrug die Miete in berlinfernen Orten durchschnittlich nur 4,50 Euro.

Die Mietsteigerung in Brandenburg fiel vielerorts im Vergleich zu 2012 sehr schwach aus. In 15 der 33 ausgewerteten Städte lag sie teilweise sogar deutlich unterhalb der Ein-Prozent-Marke – selbst im beliebten Berliner Umland, etwa in Hennigsdorf (plus 0,6 Prozent) oder in Erkner (plus 0,9 Prozent). „Brandenburgs Städte bieten hervorragende Mietwohnbedingungen“, sagt BBU-Vorstandsmitglied Maren Kern. Dennoch sei die Entwicklung besorgniserregend. „Ohne auskömmliche Mieten wird die Refinanzierung von Investitionen für die Wohnungsunternehmen problematisch.“

Und ein weiteres Problem macht dem BBU Sorgen. So stehen anders als in Potsdam vor allem in berlinfernen Regionen noch immer viele Wohnungen leer. Nach Schätzungen des Verbands sind es derzeit rund 70 000, was einer Quote von rund zehn Prozent entspricht. „Das zeigt, wie dringend der Stadtumbau weiter vorangetrieben werden muss“, sagt Kern. Deutliche Kritik übt sie an der seit wenigen Monaten für ausgewählte Brandenburger Städte bestehenden Kappungsgrenzenverordnung. Die Verordnung sei „überzogen und für das Gros dieser Orte kaum zu rechtfertigen“. Die sogenannte Kappungsgrenzenverordnung bestimmt 30 Brandenburger Gemeinden mit angespannten Wohnungsmärkten – unter anderem Bernau, Erkner und Hennigsdorf. Dort dürfen Vermieter die Miete bei bestehenden Mietverträgen innerhalb von drei Jahren nur um maximal 15 statt 20 Prozent anheben. Die Höhe der ortsüblichen Vergleichsmiete darf nicht überschritten werden.

Kern spricht in diesem Zusammenhang von einer Überregulierung durch den Staat. „Statt einer Mietpreisbremse brauchen wir mehr öffentliche Investitionen und Entwicklungskonzepte für ganz Berlin-Brandenburg.“ Der BBU schlägt u.a. höhere Neubauförderungen vor. „Wohnungsneubau und Neubauförderung wirken sich offenbar mietendämpfend aus“, erläutert Kern. „In Städten wie Hamburg, Köln oder München, die den Neubau fördern, war der Anteil besonders günstiger Wohnungen mit einer Nettokaltmiete von bis zu sechs Euro pro Monat und Quadratmeter Wohnfläche zwischen 2009 und 2013 stabil oder ansteigend.“

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