Landwirtschaft : Per Mausklick beim Bauern bestellen

Eier frisch vom Bauernhof ganz einfach über das Internet bestellen? Kein Problem.
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Kleine Landwirtschaftsbetriebe gründen neues Vertriebskonzept

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05. Januar 2016, 09:30 Uhr

Kleine bäuerliche Betriebe haben oft Probleme, Vertriebswege zu finden. Mit einem aus Frankreich stammenden Konzept wird ihnen geholfen: Kunden bestellen regionale Produkte im Internet, die dann auf einem kleinen Wochenmarkt abgeholt werden können.

Immer am Mittwoch kann Axel Szilleweit persönlich seine Kunden begrüßen. Der Landwirt aus Teltow baut dann einen Stand im Foyer der Neuen Kammerspiele in Kleinmachnow auf und übergibt die Ware an die Käufer: Kartoffeln, Kürbisse, Kohl und anderes Gemüse, darunter Teltower Rübchen. Zusammen mit anderen Erzeugern gehört Szilleweit zu einer Food Assembly (deutsch: Lebensmittel-Vereinigung), die regelmäßige Abholmärkte organisiert. Der Markt in Kleinmachnow ist bislang der einzige in Brandenburg, in Eberswalde sowie in Frankfurt (Oder) sind weitere geplant.

Auf den Märkten gibt es kein Überangebot an Lebensmitteln, sondern eben nur Ware, die vorher im Internet von Kunden bestellt wurde. Dadurch hält sich der zeitliche Aufwand für die Landwirte in Grenzen, die auch mit einem leeren Lieferwagen wieder nach Hause fahren können. „Die Idee ist für uns reizvoll, weil wir uns präsentieren und dem Verbraucher erklären können, wie unsere Produktion abläuft“, sagt Szilleweit.

Organisiert wird der Markttag in Kleinmachnow von Yvonne Friedrich, die als Beraterin in der Gastronomiebranche tätig ist. „Dort sind regionale Produkte gefragter denn je“, erklärt die 44-Jährige. Zuvor war die gebürtige Zehlendorferin selbst auch regelmäßig zu einem Food-Assembly-Markt in Kreuzberg gefahren. „Irgendwann wollte ich es aber selbst probieren“. Eine neue Vereinigung kann jeder gründen – die Internet-Plattform bietet ein junges Unternehmen aus Berlin. Allein zehn Märkte gibt es in der Hauptstadt, rund 20 sind es bundesweit. „Bislang kommt ein harter Kern von Stammkunden. Es braucht noch Zeit, bis das hier etabliert ist.“

Dabei geht die Idee auf eine Bewegung in Frankreich zurück, wo unter dem Motto „La ruche qui dit oui“ (übersetzt: „Der Bienenstock sagt ja“) mittlerweile 700 Abholmärkte existieren, die durch die wuselige Atmosphäre an Bienenstöcke erinnern. Die Dienstleistung wird über Gebühren finanziert. Auch das Modell der Food Assemblys trägt sich über Abgaben der Landwirte: 8,35 Prozent des Umsatzes zahlen sie an die Marktbetreiber. Auf Wochenmärkten werden deutlich höhere Abgaben fällig.

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