Schweizerhaus in Seelow : Neues Leben für altes Landgut

Vor dem Schweizerhaus steht Uwe Trzewik, Mitglied des Vorstandes Heimatverein Schweizerhaus Seelow e.V. Der Verein will das einstige Landgut wieder zur Attraktion für Ausflügler machen.
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Vor dem Schweizerhaus steht Uwe Trzewik, Mitglied des Vorstandes Heimatverein Schweizerhaus Seelow e.V. Der Verein will das einstige Landgut wieder zur Attraktion für Ausflügler machen.

Noch verlangt das Gelände rund um das Schweizerhaus in Seelow (Märkisch-Oderland) vom Betrachter viel Fantasie, um Areal mit dem einst florierenden Landgut in Verbindung zu bringen. Das soll sich ändern.

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18. März 2014, 07:19 Uhr

Die Treppenstufen sind teilweise unter einer dicken Erdschicht versteckt. Die Reste zweier sich gegenüberstehender Bäume erinnern an einen früheren Laubengang. Noch verlangt das Gelände rund um das Schweizerhaus in Seelow (Märkisch-Oderland) vom Betrachter viel Fantasie, um das 13 Hektar große Areal mit dem einst florierenden Landgut Schweizerhaus in Verbindung zu bringen. Doch das soll sich ändern, erklärt Marion Krüger, Vorsitzende des Heimatvereins Schweizerhaus Seelow. „Unser größtes Ziel ist es, das einstige Mustergut zu beleben und mit seinen prägenden Gebäuden im früheren gärtnerischen Teil wiederaufzubauen.“

Der Berliner Bankier Hugo Simon (1880-1950) hatte das Gelände, ein florierendes Ausflugslokal, mit Nachbargrundstücken 1919 gekauft. Dem Zeitgeist entsprechend wollte er ein Mustergut entwickeln. „Hier hat er vieles verwirklicht, was bahnbrechend war“, berichtet Krüger und zählt auf: Ausbildung für junge Leute, Wohnungen für seine Arbeiter, Züchtung neuer Pflanzensorten und Geflügelrassen. Seit zehn Jahren steht das Gelände unter Denkmalschutz.

Wie das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege berichtet, ist das Gut samt Park eines der sehr seltenen Beispiele in Brandenburg, deren Strukturen noch erhalten sind. „Damit kommt dem Landgut Schweizerhaus regional- und sozialgeschichtliche Bedeutung zu“, heißt es in der Beurteilung der Simonschen Anlagen am Schweizerhaus. Zudem war es ein wichtiges geistiges Zentrum außerhalb Berlins und hat auch gartengeschichtliche und künstlerische Bedeutung.

Der jüdische Mäzen traf sich mit Politikern, holte Künstler in die kleine Stadt am Oderbruch, darunter Renée Sintenis (1888-1965). Die Schöpferin des Berlinale-Bären schuf für Simon den Esel von Seelow.

Die Plastik ging verloren. Dem Heimatverein gelang es mit Spenden, den letzten Originalguss des Esels zu kaufen. Er steht in der Sparkasse Märkisch-Oderland, soll aber ins Schweizerhaus zurückkehren.

Simon galt als sozial engagiert. „Die Bevölkerung durfte in seiner Bibliothek lesen und auch Radio hören, bestätigten uns Nachfahren ehemaliger Beschäftigter“, sagt die Vorsitzende und berichtet über die Forschungsarbeit des 2007 gegründeten Vereins. Auch Nachfahren von Simon, den Enkelsohn Rafael Cardoso, der als Schriftsteller in Brasilien lebt, hatten sie schon mit Familie zu Gast. Auch in diesem Jahr erwartet der Verein wieder Cardoso. „Wir sind froh, dass wir diesen Kontakt haben“, sagt die 50-Jährige, die neben ihrem Ehrenamt ein Familienunternehmen leitet.


Lange Zeit war das Anwesen fast vergessen


Familie Simon musste 1933 vor den Nazis aus Deutschland fliehen. Das Landgut wurde 1936 einem staatlichen Versuchsinstitut angegliedert und war zu DDR-Zeiten Gartenbaubetrieb. Nach der Wende erhielten die Erben das Anwesen zurück, verkauften es der Stadt, die es dem Heimatverein anvertraute. „Hier lag inzwischen alles im Dornröschenschlaf“, erinnert sich Krüger. Terrassen und Gewächshäuser waren überwuchert, der Nachbau von Goethes Gartenhaus aus Weimar und andere Gebäude dem Verfall preisgegeben.

Bisher wurden rund 200 000 Euro investiert, die Dächer des Goethehauses und Schweizerhauses erneuert. Wege und Treppen wurden freigelegt, terrassierte Flächen und ein verzweigtes Bewässerungssystem wieder sichtbar. Unter dickem Wildwuchs entdeckten Vereinsmitglieder Bäume aus der einstigen Obstzucht. Auch ein einzelner Weinstock hat überlebt.

Der Verein will das Gelände herrichten, als kulturellen Leuchtturm und Ausflugsziel. Ein Gutsverwalter und viele Ehrenamtliche helfen, die Ziele umzusetzen. Erste Feste lockten zwischen 200 und 300 Besucher an. „In verschiedenen Bereichen planen wir am 22. März einen öffentlichen Arbeitseinsatz“, sagt Uwe Trzewik, der im Verein die Öffentlichkeitsarbeit macht. Die Scheune solle als Veranstaltungsort repariert werden, wenn das Schweizerhaus im Innern saniert werde. „Es gibt extrem viel zu tun“, sagt der 57-Jährige.

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