Verkehrsverbundes : Nahverkehr drohen Engpässe

Steigende Fahrgastzahlen erfordern aber eine auskömmliche Finanzierung durch den Bund.
Foto:
Steigende Fahrgastzahlen erfordern aber eine auskömmliche Finanzierung durch den Bund.

Trotz rasant steigender Fahrgastzahlen und einem Einnahmeplus aus dem Ticketverkauf sorgt sich die neue Geschäftsführerin des VBB, Susanne Henckel, um eine ausreichende Finanzierung durch den Bund.

svz.de von
27. März 2014, 14:13 Uhr

Vor einer ungewissen Finanzierung steht der Nahverkehr in Berlin und Brandenburg. Trotz rasant steigender Fahrgastzahlen und einem Einnahmeplus aus dem Ticketverkauf sorgt sich die neue Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin Brandenburg (VBB), Susanne Henckel, um eine ausreichende Finanzierung durch den Bund.

Rekordzahlen und Alleinstellungsmerkmale vermeldet der Verkehrsverbund vor dem Jubiläum am 1. April. Dann feiert der VBB-Tarif sein 15-jähriges Bestehen – der einzige Tarif eines Verkehrsverbundes, der innerhalb von zwei Ländern gilt. „Das gibt es sonst nirgendwo in Deutschland“, freut sich Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) gestern zum Auftakt einer Reihe von Regionalkonferenzen. Für das kommende Jahr hat das Land 35 Millionen Zugkilometer bestellt und eine neue Marke gesetzt. Brandenburg reagiert damit auf die Entwicklung der Fahrgastzahlen.

Seit Einführung des VBB-Tarifs ist die Anzahl der Fahrgäste in Bus und Bahn 2012 mit 1,3 Milliarden auf ein neues Rekordhoch geklettert. „Steigende Fahrgastzahlen erfordern aber eine auskömmliche Finanzierung durch den Bund“, mahnt Geschäftsführerin Susanne Henckel an. Derzeit betragen die sogenannten Regionalisierungsmittel für Berlin 398,5 Millionen Euro, für Brandenburg 416,8 Millionen.

Die Fahrgäste würden ihren Beitrag über den Kauf der Tickets leisten, „die andere Hälfte zahlt der Bund an die Länder und über diese Summe wird im Sommer auf Bundesebene neu verhandelt“. Der Bund müsse die Dynamik, die im ÖPNV steckt, aufgreifen und Geld zur Verfügung stellen, pflichtet ihr Christian Gaebler, Berliner Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, bei. Dass sich Berlin und Brandenburg vom Kuchen ein angemessen großes Stück sichern, sei eine gemeinsame Herkulesaufgabe.

Nicht die einzige, vor der der VBB steht. Der von beiden Ländern ins Leben gerufene Verbund muss auf die steigende Kundennachfrage reagieren. So wird die S-Bahn nach Strausberg Nord von einem 40- auf einen 20-Minuten-Takt umgestellt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) liegt als Polen-Beauftragtem auch der grenzüberschreitende Verkehr am Herzen. Doch niemand hat ein Patentrezept, wie man den Spagat zwischen dem bis 2030 prognostizierten Bevölkerungszuwachs in Berlin und Umland von bis zu sieben Prozent und dem Einwohnerschwund von fast 20 Prozent in der märkischen Fläche verkehrstechnisch hinbekommt.

Auf dem Land geht es um das Überleben des Nahverkehrs überhaupt, im Ballungsraum um den Anschluss an andere Metropolen. Berlin ist mittendrin im Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8, zu dem die ICE-Neubaustrecken Erfurt-Leipzig und Bamberg-Erfurt gehören, die 2015 und 2017 in Betrieb gehen und die Fahrzeit nach München auf 225 Minuten reduzieren sollen. Und der Ausbau der Dresdner Bahn, der ab 2016 zwischen Wünsdorf-Waldstadt und Elsterwerda ansteht. Ab 2017 soll die Ertüchtigung auf Tempo 160 Berlin und Elsterwerda in gut eineinhalb Stunden verbinden.

Angesichts einer erneuten Tunneldebatte in Lichtenrade forderte Christfried Tschepe, Chef des Berliner Fahrgastverbandes IGEB, Christian Gaebler auf, den Ausbau „durch die unsägliche Tunneldiskussion nicht länger zu blockieren“. Würde man anstelle von Schallschutzwänden auf einen Tunnel bestehen, sei an eine Inbetriebnahme der Dresdner Bahn nicht vor 2030 zu denken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen