Wirtschaft BB : Mindestlohn keine Bremse

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Bedenken vor der Einführung waren unbegründet / Brandenburger Gastronomie mit positiver Jahresbilanz

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02. Januar 2016, 09:12 Uhr

Mit großen Sorgen sahen Ende 2014 viele Brandenburger Gastronomen dem Jahreswechsel entgegen. Grund war die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde. Nun, ein Jahr später, ist davon keine Rede mehr. Die Befürchtungen waren unbegründet.

„Ja, ich muss Mitarbeiter entlassen“, sagte Guido Penzlaff Anfang November 2014 im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Eberswalder Gastronom hatte große Bedenken gegen den Mindestlohn. Gerade in umsatzschwachen Monaten könne sich eine unheilvolle Spirale entwickeln.

Gut ein Jahr später kann Penzlaff über seine Aussagen von damals schmunzeln. „Die Sorgen haben sich in Wohlgefallen aufgelöst“, sagt er. „Wir haben die Einführung des Mindestlohns gut überstanden.“

Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Brandenburg (Dehoga), bestätigt Penzlaffs Befund. „Es gab mit der Einführung des Mindestlohns keine Delle. Die Umsatzzahlen sind überall im Land erfreulich. Was die Übernachtungen angeht, ist 2015 ein Rekordjahr“, sagt Lücke.

Das Lohnniveau in den Betrieben sei gestiegen, ebenso die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs. Genaue Zahlen gebe es noch nicht, aber bundesweit sind laut Dehoga im Laufe des Jahres 61 000 neue feste Jobs entstanden. Im Zusammenhang mit dem Mindestlohn hebt Lücke die gute Zusammenarbeit mit dem Zoll hervor. Es habe viele Veranstaltungen gegeben, auf denen die Experten den Gastronomen erklärten, woran sie sich zu halten haben.

Als Gründe für das Hoch im Brandenburger Gastgewerbe führt Lücke an, dass die Restaurants auf Regionalität setzen. „Das wollen die Leute, und dafür zahlen sie auch gern einen Euro mehr.“ Außerdem sei das Land mit seinen Radwegen und Wasserstraßen beim bundesweiten Trend Aktiv-Urlaub vorn dabei.

Rundum zufrieden ist der Brandenburger Dehoga-Chef freilich nicht. Es sei davon auszugehen, dass viele Leute, die sich in der Vergangenheit in der Gastronomie etwas dazu verdient haben, dies nun nicht mehr tun können. „Die tauchen in keiner Statistik auf.“

Er erinnerte außerdem daran, dass es im Sommer Korrekturen am Mindestlohngesetz gab. So muss nun für enge Familienangehörige die Arbeitszeit nicht mehr dokumentiert werden. Und gar nicht einverstanden ist die Branche mit dem Arbeitszeitgesetz, das die tägliche Arbeitszeit begrenzt, „obwohl doch klar ist, dass es bei einer Hochzeit auch mal länger gehen kann“, wie Olaf Lücke betont.

Bei der Gewerkschaft beißt er mit dem Wunsch nach mehr Flexibilität aber auf Granit. „Mit den geschilderten Problemen können andere Branchen seit Langem gut leben“, sagt Uwe Ledwig, Landeschef der Gastronomie-Gewerkschaft NGG. „Wenn es länger geht, kommt die nächste Schicht. Zur Not zwei Leiharbeiter, und dann läuft der Laden.“

Harte Auseinandersetzungen erwartet der NGG-Chef in der aktuellen Tarifrunde für die rund 30 000 Beschäftigten in Brandenburger Hotels und Gaststätten. Der Vorschlag des Dehoga sehe für die niedrigen Gehaltsgruppen zum Teil mehrjährige Nullrunden vor. „Man sieht, dass der Verband sein Problem noch immer nicht erkannt hat“, kritisiert Ledwig.

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