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8,50 Euro : Mindestlohn bedroht Praktika

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kritiker befürchten, dass sich Arbeitgeber Studenten nicht mehr leisten können.

Faire Entlohnung, keine Ausbeutung: Im Prinzip ist der vom Bundeskabinett verabschiedete Entwurf zum gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde eine gute und gerechte Sache. Allein im Land Brandenburg wird etwa jeder fünfte der rund 535 000 Vollzeitbeschäftigten ab dem kommenden Jahr von der Neuregelung profitieren, rechnet Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske (SPD) vor. Zugleich bedroht der geplante Mindestlohn jedoch viele Praktika, wie sie zum Beispiel Studenten in ihren Semesterferien absolvieren.

Für sie könnte er zum Hindernis für ihren Berufseinstieg werden, warnen Kritiker. Sie befürchten, dass sich viele kleinere Unternehmen, Kultureinrichtungen oder Non-Profit-Organisationen einen Praktikanten nicht mehr werden leisten können. Denn auch sie müssen künftig mit 8,50 Euro pro Stunde entlohnt werden. Vorausgesetzt, ihr Ausflug in die Praxis ist freiwillig, also kein sogenanntes Pflichtpraktikum für Schule oder Studium, und dauert länger als sechs Wochen.

Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Brandenburg, ist dennoch skeptisch. „Wenn wir 8,50 Euro für einen Praktikanten bezahlen könnten, würden wir jemanden auf einer Halbtagsstelle fest einstellen“, erklärt er. Als kleiner Verein sei der BUND durchaus auf Praktikanten angewiesen.

Auch in Brandenburgs Landesbehörden sind unbezahlte Praktika an der Tagesordnung. Einer Auflistung des Arbeitsministeriums zufolge wurden im vergangenen Jahr mehrere Hundert Praktikanten unentgeltlich an Einrichtungen des Landes beschäftigt. In den meisten Fällen handele es sich um sogenannte Pflichtpraktika, die im Zuge einer Ausbildung absolviert werden müssten, betont Minister Baaske. Eine Vergütung sei nicht notwendig, möglicherweise sogar kontraproduktiv, da eine generelle Entgeltpflicht das „Angebot geeigneter Praxispartner und damit die Qualität der Hochschulausbildung reduzieren“ würde.

Wenn künftig die 8,50 Euro pro Stunde gelten, dürfte ein Praktikant je nach Wochenstunden bis zu 1400 Euro im Monat kosten. Für kleinere Vereine ist das zu viel, meint BUND-Geschäftsführer Axel Kruschat. Er schlägt vor, den Mindestlohn an die Größe des Arbeitgebers zu koppeln – also zum Beispiel die Mitgliederzahl eines Vereins oder dessen wirtschaftliches Potenzial zu berücksichtigen. In größeren Vereinen sei der Mindestlohn begrüßenswert. „Bei kleineren aber muss man aufpassen, dass man dadurch kein Hemmnis für ehrenamtliches Engagement schafft“, sagt Kruschat.

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