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Ein Bisschen Aufschwung : „Metall-Gen“ hält sich in Eberswalde

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wie Wittenberge musste Eberswalde nach der Wende eine Schrumpfkur verkraften / Inzwischen wird aber wieder kräftig investiert

Die Großen gibt es schon lange nicht mehr, dafür sind kleine und mittelständische Firmen nach Eberswalde gekommen. „Sie bringen Leben in die Stadt und sorgen für Arbeitsplätze“, sagt Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP). Auch die Zukunftsagentur Brandenburg gibt sich optimistisch. „Unternehmen kommen wieder gern“, sagt Sprecher der Alexander Gallrein. „Hier finden sie hoch motivierte und hoch qualifizierte Mitarbeiter.“

Die Stadt im Osten Brandenburgs spürt nach harten Jahren einen gewissen Aufwind. Vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb sich die Kanzlerin und CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel kurz vor der Landtagswahl in Brandenburg Eberswalde für einen Wahlkampfauftritt am kommenden Sonnabend ausgesucht hat.

Nach dem Ende der DDR hatte die damals vor allem für Kranbau, Rohrleitungsbau und Fleischwirtschaft bekannte Kommune eine enorme Schrumpfkur zu verkraften. Tausende Arbeitsplätze brachen weg. „Die Lage war katastrophal“, berichtet Boginski. Die Einwohnerzahl ging von 52 000 auf jetzt 40 000 zurück.

In den aufgelösten einstigen volkseigenen DDR-Betrieben gründeten sich später viele kleinere Betriebe, die zu einem großen Teil ihre geschäftliche Nische gefunden haben. Auf dem Gelände des ehemaligen VEB Kranbau etwa hat sich unter anderem die Kirow Ardelt GmbH angesiedelt. Das Unternehmen liefert Krane in die ganze Welt.

„Das Eberswalder Metall-Gen vererbt sich bis heute“, sagt Rüdiger Thunemann, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Tourismusentwicklungsgesellschaft des Landkreises. „Hier ist sicher nicht die bekannteste Industrieregion des Landes, aber eine der traditionsreichsten“, sagt er.

„Wir sind aber nicht über den Berg“, warnt der Bürgermeister. Die Arbeitslosenquote in der Kreisstadt des Landkreises Barnim lag im August mit 13,9 Prozent immer noch deutlich über dem Landesdurchschnitt von etwa 9,1 Prozent. Es gebe aber Hoffnung auf Besserung, sagt der Bürgermeister.


Boom trotz drohender Rückschläge


Gerade erweitert der Autozulieferer Schmidt Maschinenbau seinen Standort. „Die Bedingungen sind exzellent“, lobt Inhaber Herbert Schmidt, der aus dem schwäbischen Westhausen kommt. Investiert werden 12 Millionen Euro, mit einer Förderung aus öffentlichen Kassen von drei Millionen Euro.

Eine Produktionsstätte zur Aufbereitung von Kunststoffen zu hochwertigen Wachsen baut derzeit das Unternehmen Parmenion. 2,5 Millionen Euro werden investiert. Und die Fügetechnik Berlin-Brandenburg investiert eine halbe Million Euro in eine Produktionsstätte für Hochleistungskeramik.

Einiges habe sich zum Positiven entwickelt, auch in anderen Branchen, betont Boginski. Im Traditionsbetrieb Eberswalder Wurstwaren wurden beispielsweise nach Firmenangaben 2013 rund 250 Millionen Würstchen, Bock- und Bratwürste ausgeliefert – ein Plus von knapp 6 Prozent im Vergleich zu 2012.

Doch es tauchen auch immer wieder bedrohlich dunkle Wolken über der Eberswalder Gewerbelandschaft auf. So ist aktuell die Zukunft von drei Instandhaltungswerken der Deutschen Bahn in Brandenburg offen: darunter das Werk in Eberswalde. Etliche Arbeitsplätze könnten hier verloren gehen.

Andererseits kommen auch wieder junge Leute in die Stadt. 2000 Studenten haben sich an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung eingeschrieben. An dieser staatlichen Fachhochschule werden Studiengänge etwa in Holztechnik oder Öko-Agrarmanagement angeboten.

„Ab Herbstsemester gibt es die bundesweit einmalige Zusatzausbildung als Naturpark-Ranger“, wirbt Sprecherin Stephanie Schulze für eine attraktive Qualifizierungsmöglichkeit in der Stadt.

Auch verkehrsmäßig geht es in Eberswalde bergauf. Gerade hat das Land rund drei Millionen Euro für den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Eberswalde und Frankfurt (Oder) zugeschossen. Derzeit wird eine Strategie erarbeitet, wie es sich 2030 in der Stadt leben lassen soll. Für Bürgermeister Boginski gibt es eine Vision: „Kommen, bleiben, mitgestalten.“

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