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Streit am Pannen-Flughafen BER : Mehdorn greift Görke an

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein Geschäftsführer, der seinen Aufsichtsrat öffentlich rüffelt – undenkbar in den meisten Unternehmen. Nicht aber am neuen Flughafen.

Am neuen Hauptstadtflughafen verschärfen sich die Spannungen zwischen Geschäftsführer Hartmut Mehdorn und dem Aufsichtsrat. Mehdorn ging das neue Aufsichtsratsmitglied Christian Görke (Linkspartei) am Freitag offen an. Der Finanzminister Brandenburgs hatte am Donnerstag im Landtag erklärt, dass ein Mehrbedarf von 1,1 Milliarden Euro diskutiert werde.

Mehdorn sprach am Freitag in einer Mitteilung von ärgerlichen Äußerungen und rief alle Beteiligten auf, „eine sachlich richtige Diskussion“ zu führen. Im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses belastete derweil ein Ex-Bauüberwacher die Vorgänger Mehdorns. Diese hätten nicht richtig durchgegriffen.

Görke hatte im Finanzausschuss gesprochen. Nach Mehdorns Ansicht entstand dabei der Eindruck, dass das Projekt nur wegen Planungsfehlern und Baumängeln teurer werde. Dies sei falsch, betonte Mehdorn unter der Überschrift „Mehdorn widerspricht Minister Görke“. Der Flughafen sei ursprünglich für 17 Millionen Passagiere im Jahr zu Kosten von 2,4 Milliarden Euro geplant gewesen. Nun werde für 27 Millionen Passagiere geplant. „Mehr Flughafen kostet auch mehr Geld“, hob Mehdorn hervor. „Die Äußerungen von Herrn Görke sind insofern ärgerlich, weil er weiß, dass der BER über all die Jahre entsprechend den Anforderungen gewachsen ist.“ In der Sitzung hatte Görke allerdings keine Gründe für die möglichen Mehrkosten genannt. Die 1,1 Milliarden Euro eingerechnet, läge der Kostenrahmen für den drittgrößten deutschen Flughafen bei 5,4 Milliarden Euro. Vor allem den Brandenburger Aufsichtsräten ist die Nachforderung bisher aber zu wenig nachvollziehbar.

Beim ersten Spatenstich 2006 hatten die Betreiber noch von 2 Milliarden Euro gesprochen – bei einer Kapazität von 22 Millionen Fluggästen. Der frühere Bauüberwacher Knut Nell ließ die Bauabläufe am Freitag in keinem guten Licht erscheinen. Seine Schilderungen lassen auf Schönrednerei und frisierte Berichte schließen. Säumige Firmen hatten demnach zeitweise wenig zu fürchten. „Die Flughafengesellschaft hat leider trotz aller Drohungen nie Konsequenzen gegenüber den betroffenen Firmen gezogen“, sagte Nell. Er bezog sich auf 2010 und 2011.

Der 45-Jährige war von 2008 bis 2012 als Mitarbeiter des Flughafen-Architekten Meinhard von Gerkan auf der Baustelle. Nach der geplatzten Eröffnung 2012 hatte der Aufsichtsrat Gerkans Büro vor die Tür gesetzt und es auf 80 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Eine Gerichtsentscheidung dazu steht noch aus.

Verzögerungen brachten laut Nell auch Änderungswünsche der Betreiber, etwa ein Tausch der Terminal-Ebenen 2008 und der Wunsch nach doppelstöckigen Fluggastbrücken. Auch das Wetter habe Probleme gemacht: Beim Richtfest nach dem Winter 2009/2010 habe der Verzug bei zweieinhalb Monaten gelegen. „Beim Richtfest redete die Flughafengesellschaft die Lage schön“, kritisierte Nell Mehdorns Vorgänger Rainer Schwarz und dessen Technikchef Manfred Körtgen. Er bestätigte, dass mindestens einmal im Controllingbericht der Geschäftsführung für den Aufsichtsrat Terminwarnungen der Bauüberwacher abgeschwächt wurden.

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