Vorwürfe : Lohndumping im Landeswald

Bei der Arbeit in märkischen Wäldern soll nicht alles mit rechten Dingen zugehen.
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Bei der Arbeit in märkischen Wäldern soll nicht alles mit rechten Dingen zugehen.

Der Landesforstbetrieb soll Mindestlohnregelungen mit Firmen vom Balkan umgehen.

svz.de von
18. Juli 2014, 23:14 Uhr

Der Brandenburgische Landesforstbetrieb soll Aufträge an Fremdfirmen vergeben, die Mitarbeiter weit unter dem Mindestlohn bezahlen. Gleichzeitig sollen die staatlichen Waldarbeiter zu kürzeren Arbeitszeiten und Frühverrentungen gedrängt werden.

„Wir haben vor vier Wochen persönliche Gespräche mit 40 Waldarbeitern im Raum Oranienburg geführt“, erklärte Jörg Schütte, Gewerkschaftssekretär der IG Bauen-Agrar-Umwelt Berlin-Brandenburg gestern. Dabei hat sich seinen Angaben zufolge herausgestellt, dass Waldarbeiter aus Serbien und Kroatien für einen Stundenlohn von 4,10 Euro und aus Zypern für 5,70 Euro von Subunternehmern im Landeswald tätig waren.

Schütte betont, dass der landeseigene Forstbetrieb inzwischen rund 80 Prozent seiner Leistungen an Fremdfirmen ausschreibt und die Einhaltung des Mindestlohnes, der bei Auftragen der Öffentlichen Hand 8,50 Euro beträgt, nicht kontrolliert.

Gleichzeitig gibt es im Landesforstbetrieb nach wie vor einen Personalüberhang. Die Mitarbeiter werden laut Gewerkschaft bewusst nicht eingesetzt, um Gefahren- und andere Zuschläge nicht zahlen zu müssen. „Unsere Leute gehen statt dessen mit blauen Tüten im Wald Müll sammeln“, berichtet der Gewerkschafter.

Laut Schütte wird derzeit versucht, die Zahl der noch rund 1000 Waldarbeiter im Landesdienst in den nächsten Jahren zu halbieren. Um Altersteilzeitprogramme kostenneutral für das Landwirtschaftsressort finanzieren zu können, schlug die Landesregierung eine verkürzte Arbeitszeit für die verbleibenden Waldarbeiter vor.

Schütte kritisierte zudem, dass seit zwölf Jahren kein Nachwuchs mehr eingestellt wurde. Und dass, obwohl im landeseigenen Ausbildungsbetrieb jährlich zwischen 60 und 30 Waldarbeiter ausgebildet wurden, die anschließend von Privatbetrieben übernommen werden. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten werde in absehbarer Zeit die Grenze von 55 Jahren überschreiten.

Seitens des Landesforstbetriebes war keine Stellungnahme zum Vorwurf des Lohndumpings im Landeswald zu erhalten. Das Agrarministerium erklärte, man werde den Angaben der Gewerkschaften nachgehen und prüfen, ob es Verstöße gegeben habe.

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