Lehrlinge : Lieber durchfallen als arbeitslos sein

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Situation rund um Berufsausbildung in Brandenburg bleibt angespannt

svz.de von
29. Juli 2014, 23:19 Uhr

Gut 50 Prozent aller Lehrlinge in manchen Bereichen des Brandenburger Baugewerbes und der Gastronomie ziehen es vor, absichtlich durch die Abschlussprüfung zu fallen, anstatt nach ihrer Lehre in die Arbeitslosigkeit entlassen zu werden. Das sagte Brandenburgs Arbeits- und Sozialminister Günter Baaske (SPD) gestern. Jeder Lehrling habe das Recht, die Prüfung zu wiederholen. „Da gilt dann: Lieber ein halbes Jahr länger die Ausbildungsvergütung des dritten Lehrjahres – aber damit wird natürlich auch ein Ausbildungsplatz blockiert.“

Baaske und die Sozialwissenschaftlerin Vera Dahms stellten außerdem die 18. Auflage des Brandenburger Betriebspanels vor. Für diese Untersuchung wurden im vergangenen Jahr 1016 Unternehmen zur Arbeitsmarktsituation und zum Fachkräftenachwuchs befragt.

Demnach hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Brandenburg um zwei Prozent auf rund 936 000 erhöht. Allerdings sei die Zahl der Befristungen und der Teilzeitarbeitsplätze in Brandenburg weiterhin hoch.

„Es ist ein bundesweiter Trend, dass Betriebe nur noch befristet einstellen“, sagte Dahms. In Brandenburg seien 38 Prozent der Arbeitsplätze atypisch – also befristet, Mini-Jobs oder Teilzeitarbeitsplätze. „In einigen Lebenssituationen können das passgenaue Arbeitsplätze sein“, sagte Baaske. „Aber viele Teilzeitbeschäftigte wollen länger arbeiten.“ Auch im Interesse der eigenen Fachkräftesicherung sollten die Betriebe entsprechende Angebote machen.

Weiter deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts lag die Zahl der Betriebe, die Ausbildungsplätze anboten: Während in Westdeutschland 53 Prozent aller ausbildungsberechtigten Betriebe auch tatsächlich ausbildeten, waren es in Ostdeutschland im Durchschnitt 42 Prozent. In Brandenburg bildeten nur 39 Prozent aus. 46 Prozent aller Ausbildungsplätze blieben unbesetzt. Hauptgrund dafür war aus Sicht der befragten Betriebe das Fehlen geeigneter Bewerber.

Baaske sprach sich in diesem Zusammenhang für eine bessere Berufsvorbereitung von Schülerinnen und Schülern aus. Jugendliche, die Koch werden wollten, schwebte beispielsweise oft das Bild des Fernsehkochs vor. „Dass die Ausbildungsjahre oft Schnippeljahre sind, haben sie nicht vor Augen gehabt.“

Oft hätten Jugendliche gar keine Ahnung, wie viele verschiedene Ausbildungsberufe es im Land gibt. Er begrüße deswegen sehr, dass rund 60 Prozent der ausbildungsbereiten Betriebe in Brandenburg auch Praktika für Schüler anbieten würden, sagte Baaske.


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