Preise zuletzt drastisch gefallen : Landwirte befürchten Milchkrise

Die Bauern haben Angst, dass die Milchpreise weiter sinken, ihre Betriebe bedroht sind.
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Die Bauern haben Angst, dass die Milchpreise weiter sinken, ihre Betriebe bedroht sind.

Bauernverband kritisiert Einzelhandel, Bauernbund „Knebelverträge“ durch Molkereien

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17. November 2014, 15:05 Uhr

Angesichts zuletzt drastisch gesunkener Erlöse befürchten die Milchbauern eine neue tiefgreifende Krise. Der Landesbauernverband hat daher gestern die Molkereien und den Einzelhandel dazu aufgerufen, die Dumpingpreisstrategie aufzugeben.

„Wenn die Spirale weiter nach unten geht, wird es bald dramatisch“, sagt Fritz Matheus, Vizevorsitzender der Agrargenossenschaft Neuzelle (Oder-Spree), einem der größten Milchproduzenten des Landes. Derzeit erziele man nur noch 31 Cent pro Liter Milch, kostendeckend sei jedoch ein Preis von 35 Cent.

Nach wie vor seien die Millioneninvestitionen in den Betrieb nach der Wende noch nicht vollständig abbezahlt, berichtet er. Auch Edgar Coym, Chef der Agrarprodukte Dedelow (Uckermark), erkennt „düstere Aussichten“ für seine Branche. Aus seiner Sicht wird der prognostizierte weitere Preisverfall auf 30 Cent pro Liter viele Betriebe in ihrer Existenz bedrohen. „Die gestiegenen Kosten für Futter und Energie drücken schon jetzt“, so Coym, dessen Unternehmen 2600 Milchkühe hält.

Zwar war der Milchpreis in den vergangenen beiden Jahren auf immer neue Rekordwerte geklettert, dennoch sei die Branche nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) nicht robust genug, um weitere Krisen zu verkraften. „Die Milchproduktion ist absolut überschuldet“, warnt der Landesvorsitzende Arnold Blum. Jeden Tag würden deutschlandweit zehn Betriebe schließen. „Wir steuern auf eine große Rationalisierungswelle zu, unter der auch die Qualität der Milch leiden wird“, so Blum.

Gleichzeitig kritisiert der Landwirt die Landesregierung, in den vergangenen Jahren keine Konzepte vorgelegt zu haben, um die Rahmenbedingungen zu verbessern. „Es wurden viele fachliche Fehler gemacht, unsere Vorschläge wurden ignoriert“, beklagt Blum.

Am Freitag wollen sich die Milchbauern in Herzsprung treffen, um über die Marktentwicklung zu diskutieren. Der BDM-Landesvorsitzende erwartet in den kommenden Monaten neue Proteste der Landwirte. Zuletzt hatten diese während der Milchkrise im Jahr 2009 mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf ihre schwierige Situation aufmerksam gemacht.

Landesbauernpräsident Udo Folgart forderte den Einzelhandel dazu auf, sich von einer Niedrigpreisstrategie zu verabschieden. Bei einer Fachtagung in Berlin bewertete Folgart die derzeitige Verbilligung „als falsches Signal in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft weiterentwickelt werden soll.“ Gleichzeitig appellierte er an die Politik, auch nach Ende der EU-Quotenregelung ein neues „Sicherheitsnetz“ für den heimischen Markt zu entwickeln. Der brandenburgische Bauernbund kritisiert dagegen „Knebelverträge“ durch Molkereien, wodurch Bauern vielfach in wirtschaftliche Probleme geraten.

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