Ob Spargelhof, Obstbauer oder Landwirt: : Klarkommen mit dem Mindestlohn

Der Spargel schießt: Erntehelfer stehen bereit. Sie bekommen nun Mindestlohn.
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Der Spargel schießt: Erntehelfer stehen bereit. Sie bekommen nun Mindestlohn.

Die Kulturen auf Brandenburgs Feldern entwickeln sich prächtig - die Landwirte beginnen die neue Saison. Es ist die erste, in der Mindestlohn fällig wird.

svz.de von
09. April 2015, 07:57 Uhr

Die Kulturen auf Brandenburgs Feldern entwickeln sich prächtig - die Landwirte beginnen die neue Saison. Es ist die erste, in der Mindestlohn fällig wird. Er gilt bundesweit seit Beginn dieses Jahres. „Überall in den Betrieben wird jetzt der Bleistift gezückt“, sagt der Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Brandenburg, Andreas Jende. Noch sei es aber zu früh, die Wirtschaftlichkeit genau zu berechnen. Entscheidend werde sein, ob der Verbraucher bereit ist, einen fairen Preis für gärtnerische Erzeugnisse zu zahlen.

Mindestlohn im Agrarbereich: Bundesweit gilt ein Mindestlohn von 8,50 Euro. Allerdings bildet der Agrarbereich eine Ausnahme. Gestaffelt über drei Jahre müssen die Betriebe dort im Osten 7,20 Euro (2015), 7,90 Euro (2016) und 8,53 Euro (2017) zu zahlen. Ein Spargelstecher verdient bislang pro Monat etwa 1300 bis 1500 Euro. Er müsste dann mit etwa 300 bis 500 Euro mehr nach der Saison nach Hause fahren.
Der Verband:Der Geschäftsführer des Gartenbauverbandes befürchtet, dass einige besonders arbeitsintensive Kulturen aus dem Programm verschwinden. „Vielleicht nicht der Spargel. Aber Erdbeeren und andere Beerenfrüchte kann man dann nur noch selbst pflücken“, sagt Jende. „Produkte, die unter fairen Bedingungen produziert werden, haben ihren Wert“, betont er.
Der Verbraucher: Der Kunde hat es aus Sicht der Landwirte in der Hand, ob er zu den vielleicht teureren Erdbeeren aus der Region oder den preiswerten aus Polen greift. In der Qualität wird es keine Unterschiede geben. Die Hoffnung ist groß, dass Verbraucher bereit sind, für das regionale Produkt etwas tiefer in die Tasche greifen.
Spargelbauer: Der Beelitzer Spargel-Bauer Jürgen Jakobs will seinen Mitarbeitern einen vernünftigen Lohn zahlen. Ein um 20 bis 30 Cent höherer Preis je Kilo Spargel wäre aus seiner Sicht gut. Er bezweifelt aber, dass Kunden die Mehrkosten mittragen. Wenn am Ende aber Geld in der Kasse des Betriebs fehle, müsse eine Frage gestellt werden: Lohnt sich Spargel überhaupt noch?
Gurkenbauer: Durch den Mindestlohn werden die Spreewaldgurken teurer. Davon geht zumindest die Agrargenossenschaft „Unterspreewald“ aus. Mehr als 50 Prozent der Gesamtproduktionskosten entfallen auf Löhne. Die Gurken müssen auf den Feldern per Hand gepflückt werden. Die Landwirte wollen für ihre Ware mehr Geld von den Verarbeitungsbetrieben verlangen. Das wird dann auch der Kunde spüren. Im nächsten Schritt muss er im Supermarkt tiefer in die Tasche greifen.
Brandenburger Gartenbau: In der Branche sind rund 16 700 Menschen dauerhaft beschäftigt. Dazu kommen in der Saison einige tausend Erntehelfer aus Polen, Rumänien und Bulgarien. Mit Anbau und Vermarktung wurden nach letzten Angaben (2012) rund 134 Millionen Euro erzielt, bei Obst waren es 18 Millionen Euro. Etwa ein Fünftel der Landwirtschaft gehört zum Gartenbau.

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