zur Navigation springen

Streit Mit RussLAnd : Hilfe für Obstbauern läuft ins Leere

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburgs Betriebe kritisieren Bürokratie / Verluste wegen Importverbots

svz.de von
erstellt am 23.Okt.2014 | 22:59 Uhr

Brandenburger Obstbauern, die unter dem von Russland verhängten Importstopp leiden, können ab sofort EU-Hilfen beantragen. Die Betriebe müssten sich allerdings an die Erzeuger-Organisationen wenden und über sie Anträge stellen, sagte der Sprecher des Potsdamer Agrarministeriums, Lothar Wiegand.

Da in der Bundesrepublik kein Obst vernichtet werden soll, sei es möglich, Schulen oder karikativen Organisationen Äpfel und anderes Obst zu spenden. Pro Kilogramm erhielten die Erzeuger 17 Cent und einen Zuschuss für die Transportkosten. Bundesweit steht dafür ein Kontingent für 16 000 Tonnen zur Verfügung. Für viele einheimische Betriebe sei dies allerdings wenig hilfreich, meinte der Geschäftsführer des Obst- und Gartenbauvereins in Werder (Potsdam-Mittelmark), Stefan Lindicke. „Wir haben hier in erster Linie Familienbetriebe, die ihr Obst auf dem Hof direkt vermarkten und keiner Erzeugergenossenschaft angeschlossen sind.“ Dann sei dies ein hoher bürokratischer Aufwand. In der Branche habe er gehört, dass die Preise teilweise auf 20 Cent pro Kilogramm Äpfel oder gar darunter gefallen seien, berichtete Lindicke. „Man braucht, um vernünftig wirtschaften zu können, zwischen 30 und 40 Cent pro Kilogramm.“

Der Druck auf dem Markt sei nicht nur wegen der Sanktionen hoch: Hinzu komme, dass es in diesem Jahr in ganz Europa eine besonders reiche Apfelernte gegeben habe.

Steffen Aurich, Geschäftsführer der Markendorfer Obst e. G., einer von drei Erzeugerorganisationen in Brandenburg, erklärte, dass bislang noch keine Anträge gestellt wurden. Er rechne auch nicht damit, dass märkische Obstbauern das tun werden. Aurich verwies ebenfalls auf den bürokratischen Aufwand. Es gehe nicht nur darum, Äpfel an Kindergärten oder Senioreneinrichtungen zu verschenken, sondern es müsse auch der Nachweis erbracht werden, dass diese Einrichtungen deswegen nicht weniger Äpfel kaufen, als zuvor. „Der Nachweis ist gar nicht wasserdicht zu erbringen“, sagte der Geschäftsführer.

Laut Aurich gibt es in Brandenburg eine ganze Reihe von Obstbauern, die sich auf russische Kundenwünsche eingestellt haben. Raik Neumann aus Frankfurt (Oder) berichtete von sechs Hektar, auf denen besonders große, rote Sorten angebaut werden. Mit den Äpfeln übers Land zu fahren und sie Schulen oder Kitas anzubieten, lohne sich nicht. Es gehe um tonnenweise Äpfel, nicht um 100 Kilo, die ein Schulhort abnehmen kann.

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen