Landwirtschaft : Größter Ertrag im Norden

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Der trockene märkische Sand ist charakteristisch für Brandenburgs Böden / Er gilt als wenig fruchtbar

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08. November 2015, 12:01 Uhr

Brandenburgs Böden sind besonders anfällig für Trockenheit. Der karge märkische Sand ist gerade in den südlichen Landkreisen weit verbreitet. „Diese Böden mit einem geringen Ton- und Lehmanteil, dafür einem überdurchschnittlichen Sand- und oft hohen Steingehalt, erschweren die Bewirtschaftung“, erklärte Karsten Lorenz, Referent für Acker- und Pflanzenbau beim Landesbauernverband. Diese Sandböden können Lorenz zufolge aufgrund ihrer Grobporen Wasser zwar schnell aufnehmen, es aber nicht lange halten. So trockneten sie schneller aus als Lehm- oder Tonböden und würden folglich schneller durch Wasser und Wind abgetragen.

„Trockene Sande sind in Brandenburg weit verbreitet und zählen mit zu den ertragsschwächsten Standorten Deutschlands“, sagte Werner Kratz vom brandenburgischen Naturschutzbund (Nabu). Sandbedeckte Moränenflächen nehmen zusammen mit den reinen, wenig ertragreichen Sandstandorten etwa Dreifünftel der Gesamtfläche Brandenburgs ein.

Auf der anderen Seite erwärmten sich diese Böden im Frühjahr schneller als schwere Tonböden. Durch die Grobporen würden Wurzeln gut mit Sauerstoff versorgt. „Leider sind derartige Böden auch sehr beliebt bei Mäusen, die gern ihre Gänge in Sandböden graben“, sagt Lorenz.

Doch die Landwirte passten sich den Begebenheiten, zumindest denen der leichten Sandstandorte, an. Dort bauten sie statt Weizen oder Zuckerrüben, die viel Wasser benötigten, vermehrt robuste Kulturen wie Roggen, Gerste, Mais oder Spargel an.

Lorenz unterstrich, wie stark sich die Bodenkonsistenz im Land von Nord nach Süd unterscheidet. „In der Uckermark, Prignitz und Hohem Fläming finden wir die landwirtschaftlich besten Böden des Landes.“ Diese Böden verfügten über einen höheren Lehmanteil und könnten so das Bodenwasser etwas länger halten und die Pflanzen versorgen.

Neben der Trockenheit machen einigen Böden und ihrer Umwelt auch Altlasten aus vergangenen Zeiten zu schaffen. Nach Auskunft des Potsdamer Umweltministeriums sind die märkischen Böden generell jedoch gering belastet. Ausnahmen bildeten hierbei beispielsweise Rieselfelder, Truppenübungsplätze der NVA sowie Bergbauflächen.

Immerhin 23  000 solcher Altlasten-Verdachtsflächen gibt es Werner Kratz zufolge in Brandenburg. Die höchsten Belastungen seien im Bereich der ehemaligen Schwerindustrie wie in Brandenburg/Havel, den ehemaligen Gaswerken in Potsdam oder dem Stahlwerk Hennigsdorf auszumachen. „Die Erfassung und Sanierung solcher Flächen geht nur sehr langsam voran“, kritisierte Kratz. Hauptblockierer seien die Kommunen, weil Land und Bund ihnen dafür nicht genügend Mittel zur Verfügung stellten.

Je nach Chemikalientyp müssen spezielle Sanierungstechniken eingesetzt werden. „Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn bei alten Gaswerksflächen, wie in Potsdam, sind die Seesedimente hoch belastet und gegenüber ist das Freibad Babelsberg.“ Neben Industrie, Verkehr, Gebäudechemikalien und Abfalldeponien bezeichnet Kratz auch die Landwirtschaft selbst als einen der Hauptverursacher chemischer Bodenbelastung. Weil durch Insektizide nicht nur Schädlinge, sondern auch andere Organismen getötet werden, sind bereits heute 45 Prozent der Insektenarten bedroht oder schon ausgestorben. „Wir halten für die Bauern Informationen parat, in denen wir ihnen diese Zusammenhänge erklären“, sagte Kratz. „Leider wird bei den Bauern zu wenig auf die naturschutzfachlichen Argumente gehört.“ 

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