Brandenburg : Greenpeace warnt vor polnischem Atommeiler

Bei einem Unfall könnte Radioaktivität auch Brandenburg verseuchen

svz.de von
11. März 2014, 17:04 Uhr

Am dritten Jahrestag der Atom-Katastrophe von Fukushima hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace gestern vor dem Bau eines Kernkraftwerks in Polen gewarnt. Ein Unfall dort könne bei bestimmten Wetterlagen auch Berlin und Brandenburg unbewohnbar machen, heißt es in einer Studie.

Bisher gibt es in Polen noch keine Atomkraftwerke. Die Warschauer Regierung bekräftigte aber unlängst die Pläne für den Bau einer ersten Anlage in der Nähe von Danzig bis 2024. Die dafür ins Auge gefassten Standorte sind etwa 400 Kilometer von Deutschland entfernt. In einem Gutachten, das an der „Universität für Bodenkultur“ in Wien entstand, wurden jetzt Szenarien für die Folgen möglicher Unfälle erarbeitet. Die Wahrscheinlichkeit dafür wird zwar als gering eingestuft. Allerdings könnten radioaktive Substanzen bei bestimmten Wetterlagen große Teile Deutschlands, darunter vor allem Berlin und Brandenburg, verseuchen.

Polen, das seinen Energiebedarf zu über 80 Prozent aus Kohle deckt, begründet die Atompläne auch damit, dass nur so eine spürbare Senkung des CO2-Ausstoßes und gleichzeitig eine preiswerte Stromerzeugung zu erreichen sei. Die Atomexpertin von Greenpeace, Susanne Neubronner, meint dazu: „Wer schmutzigen Kohlestrom gegen gefährliche Atomenergie tauscht, treibt den Teufel mit dem Beelzebub aus.“

Laut Berechnungen von Greenpeace könnte das Nachbarland wie Deutschland deutlich mehr Windenergie nutzen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sprach sich diese Woche für eine deutliche Ausweitung der Sicherheitszonen im Umfeld deutscher Atomkraftwerke aus. Die EU-Kommission hatte kürzlich empfohlen, dass im Fall eines schweren Atomunfalls alle Anwohner im Umkreis von fünf Kilometern um ein Akw schnellstmöglich, spätestens aber innerhalb von sechs Stunden in Sicherheit gebracht werden. Bislang umfasste diese sogenannte Zentralzone nur zwei Kilometer. Die daran anschließende Mittelzone soll demnach von zehn auf 20 Kilometer Entfernung vom Akw erweitert werden.

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