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Forsthaus Paulsborn : Geweihstangen zum Knabbern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Forsthaus Paulsborn im Grunewald bietet ab März auch Menüs für Hunde an

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2015 | 17:04 Uhr

Auf den Hund gekommen ist Restaurant-Betreiberin Johanna Wahlig eher durch Zufall. Nach einem gemeinsamen Essen bekniete Star-Friseur Udo Walz die Gastronomin, einen Hund aus einem spanischen Tierheim zu retten. „Er engagiert sich sehr im Tierschutz und redete drei Tage lang auf uns ein, dann hatte er uns breitgeschlagen“, erinnerte sich die 44-Jährige. So bekam sie Rico. Der zweijährige Goldendoodle mit weißem, flauschigem Fell darf nun die neuen Gerichte kosten, die die 44-Jährige ihren künftigen vierbeinigen Gästen servieren will. Die kleine Portion Känguru mit Kartoffeln soll es schon ab zwei Euro geben. Das getrocknete Entenfleisch in hundgerecht geschnittenen Happen kostet fünf Euro pro Portion, genauso wie die kalorienarmen Lachshautröllchen.

Wer es eilig hat, der kann an den künftigen marktähnlichen Ständen im Biergarten des Forsthauses Paulsborn ab März aber auch ein paar Hunde-Kekse to go ordern. Die vielen Spaziergänger, die täglich mit ihren Dobermännern, Terriern, Pudeln und Schäferhunden den Grunewaldsee umrunden, haben die neue Pächterin des Jagdschlosses Grunewald erst auf die Idee gebracht, ihr Angebot um die tierische Variante zu bereichern. Die ehemalige Betreiberin des Bundespressestrandes, die ihre Party-Location in Mitte 2011 wegen des Baus des Bundesbildungsministeriums aufgeben musste, hat den über 100 Jahre alten Zehlendorfer Jagdsitz Anfang vergangenen Jahres übernommen. Allein der Gewölbesaal mit seinen bleiverglasten Fenstern bietet Platz für 200 Gäste. Fast schon sakral anmutende Säulen stützen die geschwungene Decke. Über den Tisch hängen mit Geweihen verzierte Lampen. Am Spiegel der Bar thront der Paulsborner Elch. Im Kaminzimmer, das wie der Festsaal mit Seeblick im ersten Stock oft für Feiern gebucht wird, laden dicke Ledersessel zum Verweilen ein. Ein Wildschweinkopf und antike Gemälde zieren die Wände. Bereits 1871 weihte Kaiser Wilhelm I. das Anwesen als Ort für Jagdgesellschaften ein. Die Gaststätte im Stil der Neorenaissance mit angeschlossenem Hotel erhielt Paulsborn 1905.

Johanna Wahlig hat alles behutsam saniert, den nostalgischen Charme noch mit ein paar trendigen wie dezenten Accessoires aufgehübscht. Das Holz der Toilettenbrillen ist noch so frisch wie das des neuen Baumhauses auf dem Spielplatz.

„Familien mit Hunden und Kindern finden in Berlin selten Orte, wo sich alle willkommen fühlen“, weiß die dreifache Mutter. Auf dem 6000 Quadratmeter großen Gelände mit 200 Parkplätzen hat sie nun genug Platz, um allen etwas zu bieten. Im Holzofen wird Brot gebacken. An Marktständen soll es ab 1. März Wild- und Fischspezialitäten geben. Ein Milchhof aus Baruth wird Bauernhofeis anbieten. „An den Wochenenden ist der Andrang oft so groß, das ist durch das Restaurant allein kaum abzudecken. So muss nicht jeder erst auf die Bedienung warten“, erklärt die gebürtige Bayerin das neue Konzept.

An der Hundetheke will sie auch Leinen, Spielzeug und Accessoires der Potsdamer Dogs Company anbieten. Die Leckerlies kommen von Pets Deli. Berlins erstes Hundebistro hat Anfang 2014 am sieben Autominuten entfernten Roseneck eröffnet und bietet nach eigenen Angaben hochwertiges, artgerechtes Futter in Lebensmittelqualität, ohne Zucker und Konservierungsstoffe.

Die richtige Stärkung also für einen ausschweifenden Spaziergang am Grunewaldsee. Schon seit den 30er-Jahren ist der weitläufige Kiefernforst östlich der Avus Hundeauslaufgebiet. Im Sommer baden hier vor allem die Vierbeiner. „Durch das Hundeverbot des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf am Schlachtensee ab Mai werden wir hier noch mehr Zulauf bekommen“, glaubt Johanna Wahlig.

Das Hunderestaurant und Markt will sie trotzdem erst einmal nur an den Wochenenden öffnen. „Wir müssen sehen, wie alles angenommen wird.“ Zur Premiere hat Wahlig auch die Vierbeiner des Reitclubs eingeladen, die gerade nebenan auf der Wiese die ersten intensiven Sonnenstrahlen genießen. So können die Kinder Ponyreiten, während ihre Eltern an den Holztischen ihren Milchkaffee trinken und die Wuffis an Geweihstangen knabbern. „Der Markt wird an diesem Tag im altenglischen Stil, passend zum Haus dekoriert“, kündigt die Gastgeberin an. Ironisch wie stilecht gekleidete Partygäste und spezielle Musik zum Tanztee sollen das „Meet-and-Greet“ im neuen Paulsborn abrunden. Der Schirmherr des Hunderestaurants trägt generell zum edlen Zwirn Fliege, Monokel und eine weiße Nelke im Knopfloch. Schon jetzt ist der Entertainer Henry de Winter häufig im Gewölbesaal beim Frühstück anzutreffen. In Zukunft wohl nicht mehr ohne seinen Foxterrier Bobby.

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