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Handwerk : Gesellen werben um Lehrlinge

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Handwerk startet Video-Kampagne / 1400 freie Ausbildungsplätze in Brandenburg

Vom „schönsten Beruf der Welt“ spricht Konrad Scheffler in dem zweiminütigen Video, das für die Kampagne „Abklatschen! Hol Dir meinen Job“ über ihn gedreht wurde. Der Orgel- und Harmoniumbauer aus Sieversdorf (Oder-Spree) brennt förmlich für sein anspruchsvolles Handwerk. „Die Orgeln, die wir restaurieren, sind zum Teil weit über 100 Jahre alt. Und die Teile, die ich baue, halten auch über 100 Jahre.“

Die Gesellenprüfung hatte der heute 25-Jährige im vergangenen Jahr mit Bestleistungen bestanden. Und beim Bundeswettbewerb im November wurde er mit 97 von 100 Punkten zweitbester Orgelbauer. Inzwischen ist er Juniorchef im väterlichen Betrieb. Mit dem Video möchte er Jugendlichen Lust darauf machen, alle Register zu ziehen und sein Handwerk zu erlernen. Ebenso wie Isabel Heider aus Niederlehme (Dahme-Spreewald). Die 22-Jährige hat Bäckerin gelernt. Nun ist dies nicht gerade der Traumberuf vieler Jugendlicher, vor allem wenn man wie Isabel früh um halb drei aufstehen muss. Doch sie hat ihren Tagesablauf darauf abgestimmt: „Du siehst mehr Sonnenaufgänge als jeder andere und bist stolz darauf, was du für gute Produkte geschaffen hast“, sagt sie.

„Isabel ist ein Beispiel für eine junge Handwerkerin, die ihren Beruf voll auslebt“, lobt Veronika Martin von der Cottbuser Handwerkskammer. Auch ein Zimmerer, ein Gerüstbauer, eine Mechatronikerin für Kältetechnik, ein Karosseriebauer, eine Bootsbauerin, eine Modellbauerin, ein Maßschneider, ein Fleischer, eine Friseurin und eine Orthopädieschuhmacherin stellen ihre Leidenschaft für das Handwerk heraus – die zwölf jungen Protagonisten wurden unter deutschlandweit 90 Bewerbern ausgewählt.

Sie repräsentieren die Bandbreite des Handwerks und suchen quasi Nachfolger für ihre Lehrstellen. Das ist dringend notwendig, denn angesichts der sinkenden Schulabgängerzahlen haben viele Betriebe zunehmend Probleme, Auszubildende und damit beruflichen Nachwuchs zu finden. Immer mehr Lehrstellen bleiben unbesetzt. „Die Aktion soll darauf aufmerksam machen, dass es im Handwerk tolle Lehrberufe gibt“, sagt Michael Thieme, Sprecher der Handwerkskammer Ostbrandenburg. Viele der Berufe seien sehr anspruchsvoll und hoch technisiert.

Die Kampagne wolle jungen Leuten daher nahelegen, in der Region zu bleiben und hier Karriere zu machen. „Wir haben aktuell 432 gemeldete freie Lehrstellen in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer, knapp 100 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres“, betont Thieme.

306 Betriebe offerieren Ausbildungsplätze in fast 60 Berufen. Gesucht werden vor allem künftige Elektroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Kraftfahrzeugmechatroniker und Friseure. Lehrstellen bieten aber auch ein Brunnenbauer, ein Goldschmied sowie ein Metall- und Glockengießer. Ähnlich hoch sind die Zahlen in den anderen Regionen Brandenburgs: Im Kammerbezirk Cottbus sind etwa 400 freie Lehrstellen gemeldet, im Bereich der Handwerkskammer Potsdam – zu der auch der Nordwesten Brandenburgs gehört – sind es knapp 590.

Die Kammern raten Schülern der oberen Klassen zu ein oder zwei Praktika in Betrieben, um Beruf und Unternehmen kennenzulernen. Allein in Ostbrandenburg werden derzeit laut Thieme rund 625 Praktikumsplätze angeboten. „Ich finde, dass sich zu wenige Jugendliche dafür interessieren, einen Beruf zu erlernen, wie ich ihn habe“, sagt Jungbäckerin Isabel Heider und hofft nun, dass sich mehr Schulabgänger für eine Lehrstelle im Handwerk interessieren.

(www.handwerk.de/holdirmeinenjob)

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