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Betrug : Gefälschte Rezepte und Arztrechnungen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Krankenkassen im Land ermitteln vermehrt gegen betrügerische Mediziner.

Krankenkassen in Berlin und Brandenburg ermitteln zunehmend wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug. Jährlich gehen ihnen mittlerweile durch Betrugsfälle meist tausende Euro verloren. Allein der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) ist im vergangenen Jahr ein Schaden von fast 11 000 Euro entstanden. „Ein rasanter Anstieg, wenn man bedenkt, dass es 2012 gerade mal 62 Euro waren“, sagt KKH-Sprecher Simon Kopelke. Dabei sind es nicht nur Ärzte, die ins Visier der Ermittler geraten: Manipulationen gehen auch von Apotheken, Versicherten, Arbeitgebern und Kliniken aus.

Korruption im Gesundheitswesen verursacht in Deutschland jedes Jahr einen volkswirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe. „Fehlverhalten ist kein Massenphänomen, aber jeder einzelne Fall schadet dem Ansehen der einzelnen Bereiche“, sagt Volker zur Heide, Leiter der DAK-Ermittlungsgruppe. Bundesweit forderte etwa die KKH im vergangenen Jahr 2,1 Millionen Euro – etwa von Ärzten, Apothekern und Therapeuten. Gefälschte Rezepte, Rechnungen und Bescheinigungen über Arbeitsunfähigkeit sind nach Aussage der Kassen typisch. Teils wurden abgerechnete Leistungen nie erbracht, teils treiben Ärzte oder Kliniken Rechnungen in die Höhe: Laut Techniker Krankenkasse sind aus dem Bundesgebiet Fälle bekannt, in denen etwa eine reine Brustvergrößerung als Brustkrebs-OP und eine relativ kleine Knie-OP als aufwendiger Eingriff abgerechnet wurden. Bei der Barmer GEK stieg die Zahl neuer Fälle in Berlin und Brandenburg 2013 um rund ein Viertel gegenüber dem Vorjahr, auf 202. Pro Jahr belief sich der Schaden der Kasse auf rund 180 000 Euro.


Mehr Verdachtsfälle und Gegenmaßnahmen


Eine steigende Tendenz verzeichnet auch die IKK Berlin-Brandenburg: 2012 und 2013 gab es insgesamt 71 Verdachtsfälle, 20 mehr als in den Vorjahren. Andere Kassen erheben nur bundesweite Zahlen, verzeichnen jedoch ein konstant hohes Niveau oder mehr zu prüfende Fälle. So gehen DAK und TK derzeit je bis zu 2000 Verdachtsfällen nach.

Erfreulicher sieht es bei der Ergo Versicherungsgruppe aus. „Wir haben keine Hinweise auf Abrechnungsbetrug durch Ärzte, Apotheken oder Krankenhäuser in Brandenburg“, heißt es dort.

Ähnlich wie viele gesetzliche Krankenkassen haben auch private Versicherer in den vergangenen Jahren Abteilungen geschaffen, die Verdachtsmomenten und Betrugsvorwürfen nachgehen. Bei der Debeka gibt es eine solche Abteilung seit rund 15 Jahren. „Die Gruppe sensibilisiert unsere Mitarbeiter, um Betrugsfälle frühzeitig zu entdecken“, sagt Sprecher Christian Arns.

Nach Auskunft der DAK wird es für die Krankenkassen jedoch schwieriger, Betrüger zu verfolgen. Wie die TK bestätigt, kommen Täter häufig ungestraft davon, weil Verfahren eingestellt werden oder das Delikt verjährt ist. Die Kasse plädiert dafür, Staatsanwaltschaften mit Schwerpunkt Abrechnungen im Gesundheitswesen einzuführen. Seit einigen Jahren ermitteln vor allem Teams der Krankenkassen, die etwa anonymen Tipps und Hinweisen von Staatsanwaltschaften und Landeskriminalämtern nachgehen.

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