Tierschutz : Fisch-Wilderer kommen oft ungeschoren davon

Vielerorts wird Fischwilderei eher lasch verfolgt.
Vielerorts wird Fischwilderei eher lasch verfolgt.

Fischwilderei wird laut Strafgesetzbuch mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe geahndet. Tatsächlich bleiben die meisten Taten ungesühnt, weil viele Staatsanwälte sie als Bagatelldelikte einstufen.

svz.de von
07. März 2014, 22:45 Uhr

Deutschlandweit wurde laut Statistischem Bundesamt 2012 nur in 16 Prozent der angezeigten Fälle eine Strafe verhängt. Zahlen für Brandenburg gibt es nicht. Aber sie dürften ähnlich ausfallen.

„Die Verfahren werden von den Staatsanwaltschaften viel zu oft wegen Geringfügigkeit eingestellt“, klagt Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbands. „Auch die Kontrolldichte lässt zu wünschen übrig“, ergänzt er. Fischer und ehrenamtlicher Fischereiaufseher Hannes Böhm hat das schon lange satt. Er startete eine Petition, sammelte unzählige haarsträubende Beispiele aus der Praxis und trug sie im Agrarministerium in Potsdam vor.

Ein Dauerbrenner sei das Thema, sagt Heiko Harder von der Obersten Fischereibehörde in Potsdam. Die Aufstellung der Fischereiaufsicht sei Kreis-Angelegenheit, da könne das Land wenig regeln. Über die Ankläger sagt er: „Vorsichtig formuliert, wird Fischwilderei von den einzelnen Staatsanwaltschaften im Land sehr unterschiedlich verfolgt.“ Das Ministerium werde jetzt eine neue Initiative starten, den Brandenburger Generalankläger und Vertreter aller Staatsanwaltschaften an einen Tisch holen.

Ein Landkreis in Brandenburg zeigt, wie es auch gehen kann. Mit wem man auch spricht, alle sagen: „Rufen Sie mal in Ostprignitz-Ruppin an.“ Andreas Sidow von der Unteren Fischereibehörde im dortigen Landratsamt freut sich über das Lob. „Es hängt von den handelnden Personen ab“, sagt er. Gerd Schnittcher, der Leitende Oberstaatsanwalt von Neuruppin, sei selbst Jäger und lebe an einem See. „Er ist dafür sensibilisiert, dass Fischwilderei bestraft werden muss.“

Sidow sagt, 2013 seien von den 70 ehrenamtlichen Aufsehern im Kreis 150 Vergehen protokolliert worden. In 80 Fällen wurden die Vergehen als Straftat geahndet, also etwa mit einer Geldstrafe über 15 bis 20 Tagessätze. Die restlichen Anzeigen seien von der Staatsanwaltschaft an die Untere Fischereibehörde zurückverwiesen worden.

In der Prignitz gibt es deutlich weniger dokumentierte Fälle. „Dieses Jahr hatten wir bislang zwei“, sagt Monika Wulff von der Unteren Fischereibehörde. Im vergangenen Jahr habe die Behörde insgesamt elf Verfahren gezählt, fünf davon im Zusammenhang mit Fischwilderei. Zwei dieser Verfahren seien derzeit noch offen, eins wurde beendet, ein weiteres eingestellt und in einem Fall wurde durch die Fischereibehörde eine Geldstrafe verhängt, sagt Wulff. „Das Bußgeld liegt bei uns im Schnitt bei 100 Euro, zuzüglich Gebühren.“

Dass es in der Prignitz vergleichsweise wenige Fälle gebe, hänge auch damit zusammen, dass es in der Region keine großen Seen gibt. „In Ostprignitz-Ruppin arbeiten außerdem viele Berufsfischer“, erklärt Wulff. Die würden besonders auf Verstöße in ihren Gebieten achten und die ehrenamtlichen Aufseher gegebenenfalls informieren.

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