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Schönewalde-Glien stemmt sich gegen den Bau von Rotoren : Es weht ein starker Gegenwind

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Knapp 3300 Windräder stehen in Brandenburg. Viele Anlagen wurden in einer rechtlichen Grauzone errichtet, da nach wie vor planerische Grundlagen fehlen. In Schönewalde-Glien (Havelland) wehrt man sich erfolgreich gegen die Rotoren – auch mit Hilfe der Großtrappen.

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erstellt am 14.Sep.2014 | 09:26 Uhr

Knapp 3300 Windräder stehen in Brandenburg. Viele Anlagen wurden in einer rechtlichen Grauzone errichtet, da nach wie vor planerische Grundlagen fehlen. In Schönewalde-Glien (Havelland) wehrt man sich erfolgreich gegen die Rotoren – auch mit Hilfe der Großtrappen.

Bodo Oehme ist durchaus ein Vogelfreund. Wenn der CDU-Politiker über Großtrappen spricht, dann mit Begeisterung. „Die fressen hier gleich in der Nachbarschaft, ein schönes Schauspiel“, findet der Bürgermeister von Schönewalde-Glien. Im Havelländischen Luch rasten die streng geschützten Tiere, um in den Süden zu fliegen. Zudem wurden dort „Flugkorridore“ definiert. Aber auch Seeadler und Milane würden gesichtet. Doch es gibt Bestrebungen von Investoren, in zwei Ortsteilen gut ein Dutzend Windräder zu errichten. Die landeseigenen Berliner Stadtgüter planen außerdem Anlagen auf ehemaligen Rieselfeldern in Wansdorf. Doch Oehme stellt klar: „Hier ist kein Platz für Windkraft.“

Der Bürgermeister verweist auf bestehende Landschaftsschutzgebiete und eigene Gutachten der Gemeinde, die Windräder ausschließen. Und er kritisiert, dass die Gemeinde bislang bei den Anträgen nicht beteiligt wurde. „Das lief auf höheren Ebenen.“

Längst haben sich Anwohner zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, um die Rotoren aus ihrer Nachbarschaft fernzuhalten. Denn nicht weit entfernt drehen sich bereits rund 120 Windräder auf der Nauener Platte. „Wir kämpfen dafür, dass Menschen und Tiere auch mal ein Rückzugsgebiet haben“, sagt die Sprecherin Claudia Heckmanns. „Man kann nicht alles zustellen.“ Die Bürgerinitiative stört vor allem ein Projekt des niedersächsischen Windkraftunternehmens MDP, das unter anderem in Paaren bauen will. Dort würden Bauern ihre Flächen gerne verpachten, meint Heckmanns.

Darunter sei die örtliche, große Agrargesellschaft, deren Gesellschafter Bauernpräsident Udo Folgart (SPD) ist. „Die wollen den Naturschutz aushebeln“, behauptet sie und fährt schwere Geschütze auf: „Hier stinkt es nach politischer Einflussnahme.“ Die landesweite Initiative gegen Windräder „Rettet Brandenburg“ meint zudem, dass Investoren sich Zustimmung für Windräder „erkaufen.“ Dem „Wildwuchs“ lasse sich nur begegnen, in dem man die „Karte Naturschutz spielt“, sagt Initiativensprecher Thomas Jacob. Doch der Bau der Windräder in Schönwalde-Glien wird bislang vom zuständigen Landesumweltamt abgelehnt.

Für eine Genehmigung müssten geschützte Flächen ausgegliedert werden, erklärt Behördensprecher Thomas Frey, dem habe das Umweltministerium nicht zugestimmt. Einen weiteren Vorwurf der Bürgerinitiative, es werde von Investoren Druck auf die Genehmigungsabteilung ausgeübt, weist Frey zurück. „Das Verfahren wird sauber abgearbeitet. Es gibt überhaupt keine Spielräume.“ Zwar habe der Investor Widerspruch angekündigt, aber diesen noch nicht schriftlich begründet. Die MDP äußerte sich dazu nicht, eine Anfrage blieb unbeantwortet.

Oehme und Heckmanns befürchten jedoch, dass ein neuer Regionalplan die bisherigen Festlegungen aushebelt. Dieser soll Ende des Jahres vorliegen, wie Torsten Naubert, Vizechef der Regionalen Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming ankündigt. Ein früheres Planungswerk war vom Oberverwaltungsgericht gekippt worden. Naubert kündigt an, dass 15 200 Hektar für Windräder ausgewiesen werden sollen. „Es kommen Flächen hinzu.“ Wo genau, will Naubert nicht verraten. Und zu den Großtrappen sagt er lediglich: „Ob die dort fliegen, muss nachgewiesen werden.“

Der SPD-Landtagsabgeordnete Folgart kann die Aufregung nicht verstehen. Ein Planungsbüro sei an ihn herangetreten, da Grundstücke der Agrargesellschaft als geeignete Windflächen identifiziert wurden. „Ich habe aber nichts vorangetrieben“, betont Folgart. Schließlich seien die Anträge vom Landesumweltamt abgelehnt worden. Ziel sei dennoch, südlich des Erlebnisparks MAFZ in Paaren einige Flächen mit „erneuerbaren Energien zu bespielen“.

Ebenso haben die Stadtgüter ihre Ziele nicht aufgegeben. „Immer wieder werden geschützte Tiere als Ablehnungsgrund angeführt, deren Vorkommen muss belegt werden“, so Geschäftsführer Peter Hecktor. „Wir verfolgen unsere Anträge weiter – notfalls mit Klagen.“

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