Ausgemusterte Technik Verkaufen : Eine Zukunft für alte Handys

Mitarbeiterin Cindy Schmolling kontrolliert die Qualität der eingesendeten Elektronik.
Mitarbeiterin Cindy Schmolling kontrolliert die Qualität der eingesendeten Elektronik.

Wohin mit den alten Geräten? Eine Firma hat aus dieser Frage eine Geschäftsidee gemacht.

svz.de von
18. Juli 2014, 16:09 Uhr

Auf seinem Arbeitsplatz liegen Instrumente, wie sie beim Zahnarzt üblich sind. Mit feinen Pinzetten und dünnen Nadeln bearbeitet Blazej Kotwicki das Innenleben eines iPhones. Seit vier Jahren ist Kotwicki Mitarbeiter der asgoodasnew electronics GmbH Frankfurt (Oder). „Ich kann mir nichts anderes vorstellen“, sagt er. Die Firma verkauft gebrauchte Elektronik, die sie generalüberholt hat. Am 21. Juli eröffnet sie offiziell ihr neues Domizil – mit mehr Platz.

Internetunternehmer Christian Wolf hat das Unternehmen 2008 in der Oderstadt gegründet – unter dem Namen „wirkaufens“. Alles begann im Wohnzimmer, sagt Vorstandschef Daniel Boldin. Wie Boldin sagt, sind die von seiner Firma angebotenen Geräte um 100 bis 150 Euro günstiger als neue Modelle – und so gut wie neu. Kunden hätten 30 Tage Widerspruchsrecht und erhielten 30 Monate Garantie.

In diesem Jahr soll ein Umsatz von 20 Millionen Euro erreicht werden (2012: 15 Millionen), 2015 soll er dann auf 30 Millionen Euro steigen. Gewinn wird noch nicht gemacht. Das Geschäft läuft ausschließlich über das Internet, über die Marken wirkaufens und asgoodasnew. „Wir wachsen von Monat zu Monat sehr stark“, betont der 40-Jährige. Rund 20 000 Produkte passieren die Fabrik im Schnitt monatlich.

Nach Angaben des Hightech-Verbandes Bitkom lagen 2013 in deutschen Haushalten rund 106 Millionen alte Handys herum – etwa ein Viertel mehr als 2012. Der Verband beruft sich auf eine Umfrage. Bitkom-Sprecher Marc Thylmann sagt, wenn ein Handy nicht mehr repariert werden könne, sollte es zurückgegeben werden. „Handys enthalten viele wertvolle Rohstoffe, die in die Wertstoffkreise zurückgeführt werden sollten.“

Die Firma asgoodasnew hat sich zu einer Fabrik entwickelt. Mitarbeiter packen eingesandte Geräte aus, löschen Daten des alten Besitzers, testen und reparieren, spielen neue Software auf. Dann geht es wieder in den Versand und zum neuen Kunden – nach Deutschland, Polen, Spanien, neuerdings auch nach Großbritannien, Frankreich und Italien.


Leben in der Region nach der Solar-Pleite


Wenn eingesandte Geräte nicht halten, was der Absender versprochen hat, ist das ein Fall für Cindy Schmolling. Die 27-Jährige kontaktiert den Besitzer, prüft mit Kontrolleuren die Qualität – und schickt das Gerät notfalls auch zurück. Schmolling, gelernte Kauffrau im Einzelhandel, war 2009 die erste fest eingestellte Mitarbeiterin des Unternehmens. Jetzt sind es rund 100.

Standortleiter Jens Heine betont: „Es gibt nichts, was wir nicht machen können. Das Herzstück ist die Reparatur. Aus jedem Gerät muss das Maximum herausgeholt werden. Es muss für den Käufer wie ein neues Gerät sein, nicht nur äußerlich.“

Heine kam von First Solar, dem US-amerikanischen Solarmodulhersteller, der in der Oderstadt Ende 2012 seine Werke schloss. Auch die kleinere Odersun AG machte dicht – ein Minus von zusammen fast 1500 Stellen.

Trotz der Solar-Pleite ist die Region an der deutsch-polnischen Grenze für Investoren spannend, wie die Investor Center Ostbrandenburg GmbH einschätzt. „In den vergangenen drei Jahren hat sich jährlich mindestens ein kleiner Mittelständler angesiedelt“, sagt Geschäftsführer Andreas Kappes. Mehr als 250 Arbeitsplätze entstanden. „Das ist kein Ausgleich für die Solarbranche.“ Aber immerhin sei die Wirtschaft so differenzierter aufgestellt.

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