Schwierige situation in der mark : Die Bahn verjüngt sich regional

Ein Job bei der Bahn gilt eigentlich als lukrativ, doch sind manche Stellen schwer zu besetzten.
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Ein Job bei der Bahn gilt eigentlich als lukrativ, doch sind manche Stellen schwer zu besetzten.

Konzern sucht im kommenden Jahr allein in Berlin und Brandenburg 250 Auszubildende.

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23. Dezember 2014, 12:32 Uhr

Der Ausflug nach Berlin-Schöneberg war für die Zehntklässler des Niedersorbischen Gymnasiums Cottbus gleich in doppeltem Sinne eine Reise in die Zukunft. Auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks besuchten die Jugendlichen in einem denkmalgeschützten Gebäude die Forscher-Schmiede von Unternehmen wie Deutsche Bahn und Siemens – kurz InnoZ genannt. Hier, in DeCoMo-City, wird auf Basis wissenschaftlich fundierter Daten der Hauptstadt-Verkehr im Jahr 2030 simuliert.

Die Bahn holt sich die Schüler nicht ganz uneigennützig ins Haus. Im kommenden Jahr müssen in Berlin und Brandenburg 250 Ausbildungs- und Studienplätze besetzt werden. Der Löwenanteil wird in der Hauptstadt angeboten. Für Katrin Sünderhauf, bei der Bahn in der Region Ost für die Personalgewinnung zuständig, ist Berlin ein Glücksfall: „Da schreiben wir eine Stelle aus und haben sofort Bewerbungen“, erzählt sie. In Brandenburg sei das schon schwieriger. Das liegt auch an den Berufsbildern: Mechatroniker, Elektroniker, Gleisbauer, Fahrdienstleiter, aber auch Lokführer bildet die Bahn an Standorten wie Brandenburg/Havel, Cottbus, Doberlug-Kirchhain, Wittenberge und Frankfurt (Oder) aus. Sogar zwei Plätze als umweltschutztechnische Assistenten hat sie auf der Besetzungsliste. Selbst Köche werden für die Mitarbeiter-Restaurants gesucht.

Ein Job bei der Bahn gilt als lukrativ. Der Konzern wirbt mit überdurchschnittlicher tariflicher Vergütung und attraktiven Sozialleistungen sowie eine Übernahmegarantie nach der Ausbildung. 50 Azubis braucht Sünderhauf 2015 in Brandenburg. Sie weiß aus Erfahrung, dass sich die Zahl der Bewerbungen bei Jobs wie dem des Gleisbauers in Grenzen hält. „Die suchen wir dringend, sie sind aber schwer zu finden“, sagt die Personalchefin. Sie führt die Zurückhaltung der Bewerber auf wechselnde Einsatzorte und auch körperlich anstrengende Arbeit zurück. Auf Ausbildungsmessen, bei Veranstaltungen an Kooperationsschulen oder beim Zukunftstag Brandenburg versucht die Bahn, in der Region Interesse für sich zu wecken. Flankiert wird all das vom Karriereportal im Internet, wo sich Schüler über die angebotenen Berufsbilder informieren und sich auf freie Ausbildungsplätze in der DB-Stellenbörse bewerben können.

Dabei gibt die Bahn seit vergangenem Jahr quasi jedem eine zweite Chance. Schulnoten interessieren nicht wirklich. Wer sich beim Konzern bewirbt, muss einen Online-Test durchlaufen – und bestehen. „Dahinter steckt die Idee, Personen ins Boot zu holen, die wir nur anhand der Zensuren abgelehnt hätten“, erklärt Katrin Sünderhauf. Für sie sei Teamfähigkeit und Serviceorientierung weitaus wichtiger – „diese Basisvoraussetzungen sind leider nicht immer gegeben“, weiß sie. Zudem sinken die Schülerzahlen. In den nächsten Jahren braucht die Bahn bundesweit nach eigenen Angaben aber demografiebedingt 7000 neue Mitarbeiter jährlich.

Laut Sünderhauf liegt der Altersdurchschnitt der Beschäftigten bei 46 Jahren. „Ein Drittel geht in den nächsten Jahren in den Ruhestand“, sagt die Personalchefin. Und muss ersetzt werden. Einen Großteil dieses Bedarfs versucht die Bahn über den eigenen Nachwuchs zu decken. Jahr für Jahr beginnen mehr als 3500 junge Schulabgänger ihre Ausbildung im DB-Konzern in ganz Deutschland. Aber auch Quereinsteiger kommen zum Zug. Erst vor wenigen Tagen hatte DB-Vorstand Volker Kefer angekündigt, nach dem anstehenden 28 Milliarden Euro-Investitionsprogramm bundesweit 1700 zusätzliche Mitarbeiter kurzfristig einstellen zu wollen.

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