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erste Medizinhochschule : Der andere Weg zum Studium

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

„Wir wählen nicht nur nach den Noten aus“, sagt Johannes Albes. „Bei uns zählt auch anderes – etwa soziale Kompetenz oder bürgerschaftliches Engagement.“

Lisa Kürschner möchte Medizin studieren. „Ich habe Praktika in Krankenhäusern gemacht, interessiere mich für die Naturwissenschaften.“ Doch die 20-jährige Falkenseerin hat ein Handicap: Als sie vor zwei Jahren ihr Abitur ablegte, erreichte sie nur einen Notendurchschnitt von 2,7. Zu wenig für den sofortigen Einstieg in ein Medizinstudium an einer klassischen Universität: Hier beträgt der Numerus Clausus 1,0 oder 1,2 – wer schlechtere Noten hat, muss teils mehrere Jahre auf seinen Studienplatz warten.

Lisa Kürschner hat sich deswegen bei der privaten Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane beworben, die im April mit der Ausbildung von jungen Ärzten beginnt. So wie rund 450 andere Studieninteressierte. „Wir wählen nicht nur nach den Noten aus“, sagt Johannes Albes. Der Herzchirurg am Herzzentrum Brandenburg in Bernau ist von der in Gründung berufenen Hochschule als Medizinprofessor berufen worden, eine Bestätigung durch das Wissenschaftsministerium steht noch aus.

Als gestern der Verbund christlicher Kliniken Brandenburgs seine Jahrespressekonferenz durchführt, berichtet Albes vom Stand der Vorbereitungen an der Hochschule. „Bei uns zählt auch anderes – etwa soziale Kompetenz oder bürgerschaftliches Engagement.“

Derzeit befinden sich noch rund 200 Bewerber im Rennen um einen der 46 zur Verfügung stehenden Studienplätze, darunter auch Lisa Kürschner. Durchgeführt wird die Ausbildung dann an Brandenburger Kliniken, etwa den Ruppiner Kliniken oder dem städtischen Klinikum Brandenburg, die zu den Trägern der Hochschule gehören. Ebenso wie die Immanuel-Diakonie, die das Bernauer Herzzentrum betreibt.

Doch weil die Hochschule eine private Hochschule ist, müssen Studenten für ihre Ausbildung zum Mediziner insgesamt 115  000 Euro Studiengebühren bezahlen. 80  000 Euro davon übernehmen Brandenburger Krankenhäuser, wenn sich die Studenten im Gegenzug verpflichten, mindestens fünf Jahre als Arzt in den Kliniken zu arbeiten.

Denn das Studium soll auch dazu beitragen, den Ärztenachwuchs an Brandenburger Krankenhäusern langfristig zu sichern. Doch immerhin noch 35  000 Euro muss eine angehende Studentin wie Lisa Kürschner als Kredit aufnehmen. „Aber wer nicht erst lange auf einen Studienplatz warten muss, kommt auch früher ins Erwerbsleben – und kann das Geld leichter wieder zurückzahlen“, sagt Albes.

„Das Land Brandenburg unterstützt zwar die Gründung der Hochschule, will dafür aber kein Geld ausgeben.“ Selbst hofft der Mediziner darauf, dass das neue Medizinstudium deutlich macht, dass auch in Brandenburg medizinische Spitzenleistungen erbracht werden. „Bisher hat man da immer nur nach Berlin geschaut.“ Möglich, dass da eines Tages dann auch Menschen wie Lisa Kürschner in den Blick kommen, die an Brandenburgs erster medizinischer Hochschule ihr Studium aufgenommen haben.


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