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Landwirtschaft Brandenburg : Chinesische Landnahme im Osten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Finanzinvestor aus der Volksrepublik steigt in KTG-Konzern ein / Agrarpolitiker fordert Ende der Bodenspekulation

svz.de von
erstellt am 22.Jul.2015 | 17:11 Uhr

Chinesische Finanzinvestoren auf brandenburgischem Acker: Das Investmenthaus Fosun aus der Volksrepublik ist über eine portugiesische Tochtergesellschaft in die Landwirtschaft in Brandenburg eingestiegen. Die Finanzinvestoren übernehmen 620 000 Aktien am börsennotierten Agrarkonzern KTG, der in Brandenburg zu den größten Agrarunternehmen gehört – zehn Biogasanlagen u. a. in Perleberg und Putlitz, ein Frischeverarbeiter in Linthe, ein Tiefkühlfroster in Manschow gehören allein in der Mark zur Firmengruppe. KTG hat allein zwischen Oder und Havel 19 000 Hektar Acker unterm Pflug. Mit dem Einstieg der Chinesen wolle KTG den „profitablen Wachstumskurs“ fortsetzen, teilte das Unternehmen mit. Fosun sei „langfristig engagiert“ und werde KTG helfen, „China als größten Konsumentenmarkt mit unseren hochwertigen Lebensmitteln zu erschließen“. In der dortigen Mittelschicht seien hochwertige Produkte gefragt. KTG wolle zusammen mit Fosun neue Absatzwege erschließen.

Chinesische Landnahme in Brandenburg – der Deal treibt den Landwirten die Sorgenfalten auf ihre Stirnen. Ein „Alarmsignal“, warnt der Deutsche Bauernbund. Der Boden nur noch in den Händen finanzkräftiger Investoren – das habe nichts mehr mit einer ausgewogenen Agrarstruktur mit ortsansässigen Bauern und einer breiten Eigentumsstreuung zu tun, kritisiert Bauernbund-Präsident Kurt-Henning Klamroth. In Regionen, wo ein Betrieb tausende Hektar bewirtschafte, gebe es keinen Wettbewerb mehr: „Da bekommt kein Junglandwirt mehr ein Bein auf den Boden.“ Die großen Bodenbewirtschafter würden Ackerpreise massiv überbieten, so dass keiner mehr mithalten könne.

KTG wiegelt ab: Der Konzern habe eine Selbstverpflichtung abgegeben, wirtschaftenden Landwirten keinen Boden wegzukaufen, erklärte Firmensprecher Fabian Lorenz. KTG sei ein Landwirtschaftsunternehmen, das zu 90 Prozent auf Pachtflächen wirtschafte: Die Größe eines Unternehmens sollte man nicht verteufeln, sagte Lorenz.

Die Vorbehalte gegenüber den Riesen-Bauern mit chinesischen Eignern bleiben dennoch: Der KTG-Konzern hat sich in den vergangenen 20 Jahren vom Öko-Hof mit wenigen hundert Hektar zu einem Agrarkonzern entwickelt, der in Ostdeutschland seinesgleichen sucht – 35 000 Hektar Ackerland allein in den neuen Ländern, davon 5000 Hektar eigenes Land, 900 Mitarbeiter. Mit der chinesischen Beteiligungsgesellschaft Fosun haben sich die KTG-Bauern einen Investor ins Boot geholt, der weltweit lukrative Investments sucht – Beteiligungen an der größten portugiesischen Versicherung, am französischen Ferienkonzern Club Med, an der Bekleidungskette Tom Tailor, am Reisekonzern Thomas Cook. Erst im Juli gab Fosun die Übernahme des traditionsreichen deutschen Bankhauses Hauck & Aufhäuser bekannt. In Finanzkreisen wird bereits vom „chinesischen Warren Buffett“, der US-Investoren-Legende, gesprochen. Der Bauernbund fürchtet indes, dass der KTG-Konzern ausgestattet mit Fosun-Kapital weitere Flächen zukaufen werde. Lorenz beruhigt: Auch für den KTG-Konzern seien die von Investoren gezahlten hohen Bodenpreise nicht bezahlbar: „Wir sind nicht die Preistreiber.“

Die neuen Länder sind zum Magneten für Großinvestoren geworden. In manchen Regionen habe die Struktur „gutsherrschaftliche Züge“ angenommen, stellte Bernhard Forstner vom Thünen-Institut Braunschweig schon vor zwei Jahren fest. Agrarpolitiker sind alarmiert: Die bisherige Verkaufspolitik des Bundes für die ehemaligen volkseigenen Flächen habe zu einer regelrechten Überhitzung des Bodenmarktes geführt, kritisierte der Agrar-Experte der Linken-Landtagsfraktion aus Mecklenburg-Vorpommern, Fritz Tack. Nur noch zahlungskräftige, teils außeragrarische Investoren könnten da mithalten. Tack: „Der Boden verkommt zum Spekulationsobjekt.“ Es müssten daher die vorhandenen rechtlichen Möglichkeiten genutzt werden, die zum Beispiel das Grundstücksverkehrsgesetz biete, um die Veräußerung des Bodens an außeragrarische Gesellschaften und Spekulanten zu verhindern, forderte er.

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