Volksinitiative : Bündnis gegen Massentierhaltung auch in der Prignitz

Umweltschützer demonstrieren in Potsdam gegen industrielle Tierhaltung in Brandenburg. Ziel einer Unterschriftenaktion ist eine Gesetzesänderung, um den Bau weiterer Tiermastanlagen in der Prignitz und der Uckermark zu verhindern.
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Umweltschützer demonstrieren in Potsdam gegen industrielle Tierhaltung in Brandenburg. Ziel einer Unterschriftenaktion ist eine Gesetzesänderung, um den Bau weiterer Tiermastanlagen in der Prignitz und der Uckermark zu verhindern.

Ob Hähnchen- oder Schweinemast – Gegner von Massentierhaltung machen mobil, um industrielle Tierhaltung in Brandenburg zu stoppen.

svz.de von
14. März 2014, 06:32 Uhr

Mit der Volksinitiative „Stoppt Massentierhaltung“ will ein Agrarbündnis die industrielle Tierhaltung in Brandenburg stoppen. „Wir wollen die Landesregierung zu einem Kurswechsel bewegen“, sagte Mitinitiator Axel Kruschat vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gestern zum Start der Aktion in Potsdam. Ziel sei eine Gesetzesänderung, um unter anderem den Bau weiterer Anlagen wie den Hähnchenmastbetrieb in Gumtow (Prignitz) oder die Schweinemastanlage in Haßleben (Uckermark) zu verhindern. Um eine Beratung im Landtag zu erzwingen, will die Initiative mehr als 20 000 Unterschriften in einem Jahr sammeln.

Das Aktionsbündnis mit mehr als 40 Mitgliedern ist ein regionaler Zusammenschluss von Verbänden der Landwirtschaft, des Tier-, Umwelt- und Naturschutzes. „Wir wollen Fehlentwicklungen wie in Niedersachsen verhindern. Es ist Irrsinn die großen Anlagen zu bauen“, betonte Jochen Fritz von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

Wilhelm Schäkel von der Bürgerinitiative „Wittstock contra Industriehuhn“ warnte vor der Umweltbelastung für die Seenlandschaft durch Ammoniak. Die Landesregierung und die Genehmigungsbehörden opferten die einzigartige Natur auf dem Altar der industriellen Massentierhaltung, sagte er.

Der Naturschutzbund Brandenburg sieht zudem Gefahren durch Arzneimittel, die in der Tiermast eingesetzt werden. Die Organisation forderte unter anderem, dass Grenzwerte für Arzneimittel in Böden und Gewässern festgelegt werden.

Unterstützung für die Initiative kam von den Grünen in Brandenburg. „Für uns bleibt es schlichtweg unbegreiflich, dass Rot-Rot den Bau immer neuer Tierfabriken unterstützt“, sagte der Landesvorsitzende Benjamin Raschke. Nach Angaben der Grünen werden im Land in bestehenden Mastanlagen fünf Millionen Hähnchen gezüchtet. Zudem seien 1,2 Millionen Plätze genehmigt, weitere eine Million Plätze beantragt.


Minister wehrt sich gegen Kritik


Bedenken gegen die intensive Tierhaltung müssten ernst genommen werden, erklärte die umweltpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Landtag, Carolin Steinmetzer-Mann. Die Nutztierhaltung sei allerdings ein wichtiger und zentraler Bestandteil der Landwirtschaft im Land. Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) steht wegen seiner Zustimmung zur Massentierhaltung immer wieder in der Kritik.

Er verweist jedoch auf einen niedrigen Viehbestand des Landes im bundesweiten Vergleich. „Für den Erhalt unserer ländlichen Räume ist eine funktionsfähige und vielfältige Landwirtschaft unerlässlich, sie schafft Wertschöpfung und Arbeitsplätze“, betonte sein Sprecher Jens-Uwe Schade. Landesweit gibt es laut Ministerium etwa 5500 Agrarbetriebe mit rund 36 000 Beschäftigten.

Die Anzahl der Mastbetriebe hat in den vergangenen Jahren, insbesondere in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, stark zugenommen. Meist sind es ortsfremde Großinvestoren, die riesige Mastanlagen bauen. Umwelt- und Tierschützer kritisieren neben mangelndem Tierschutz und gesundheitlichen Gefahren die klimaschädlichen Auswirkungen.

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