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Bahnsimulator bei ODEG : Betonmischer auf dem Gleis

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ostdeutsche Eisenbahn bildet jährliche Dutzende Lokführer aus. Zur Praxis gehört auch der Simulator

Es gibt immer mehr Unternehmen, die Lokführer für den freien Markt ausbilden. Bei der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) übernimmt man das selbst. Dabei müssen sich die angehenden Eisenbahner auch in einem mobilen Simulator beweisen.

Den Diebstahl eines Triebwagens muss die ODEG kaum befürchten. Schließlich ist es für Laien aussichtslos, sämtliche Knöpfe und Hebel im Führerstand zu bedienen sowie Signale zu deuten. Denn die Welt der Lokführer besteht aus blinkenden Lampen, nervigen Signaltönen und kryptischen Befehlen. Vier Auszubildende lernen gerade in einem Fahrsimulator, wie diese Welt funktionieren sollte.

Trainer Karsten Lau sitzt hinter einem großen Monitor, Kopfhörer auf den Ohren und gibt Anweisungen in breitem norddeutschen Dialekt. Mit einem Auszubildenden, der in dem abgeschirmten Führerstand sitzt, übt er das richtige Verhalten bei unvorhersehbaren Ereignissen. Der Computer baut immer wieder Hürden ein: Fahrzeuge stehen auf Bahnübergängen, Oberleitungen hängen herunter, Baugeräte wurden auf den Schienen vergessen.

Gerade hat der Auszubildende einen Betonmischer im Gegengleis entdeckt. „Es gibt klare Richtlinien, wie ein Lokführer jetzt handeln muss“, kommentiert Jörg Kiehn, Eisenbahnbetriebsleiter der ODEG. Das bedeutet: Vollbremsung und einen Notruf an alle Lokführer absetzen. „Sämtliche Züge auf der Strecke müssen dann sofort anhalten“, erklärt Kiehn. Und zwar so lange, bis das gefährliche Hindernis beseitigt und die Gleise von der Fahrdienstleitung freigegeben werden.

Am Ende einer virtuellen Dienstfahrt mit 4075 PS schnauft Heiko Bissmann erst einmal durch. „Es strömen unglaublich viele Dinge auf dich ein, wenn man das erste Mal eine Lok steuert“, sagt der Nauener, der mit drei Kollegen abwechselnd im Fahrsimulator in Erkner trainiert.

Bissmann ist Quereinsteiger, hat aber zu DDR-Zeiten bei der Reichsbahn den Beruf des Elektrikers gelernt. „Ich bin neben Gleisen aufgewachsen, wollte immer Lokführer werden.“

Diese Gelegenheit hat er bei der Ostdeutschen Eisenbahn, die jährlich zwischen 30 und 35 Lokführer ausbildet. Insgesamt 165 Lokführer arbeiten bei der ODEG, die Strecken zwischen Zittau und Wismar betreibt. „Wir bilden für den Eigenbedarf aus, aber auch für Schwesterunternehmen“, sagt Kiehn. Insgesamt sechs Prüfungen werden während der zehnmonatigen Ausbildung verlangt. Ebenso müssen die Kandidaten gesundheitlich und psychisch fit sein sowie ein Faible für Technik aufweisen.

Allerdings wird es laut Kiehn immer schwerer, geeignete Bewerber zu finden. Hinzu kommen die fachlichen Herausforderungen. „Es besteht bei uns nur derjenige, dem wir blind eines unserer Fahrzeuge anvertrauen“, verdeutlicht der ODEG-Prokurist.

Problematisch sei, dass es auf dem freien Ausbildungsmarkt mitunter „Crashkurse“ für Lokführer gebe, in denen niemals sämtliche Qualifikationen vermittelt würden, sagt Kiehn, der selbst eine Lizenz als Lokführer besitzt. Kritik kommt auch vom gewerkschaftsnahen Branchenverband Mobifair: „Das Berufsbild wird immer mehr aufgeweicht“, sagt Geschäftsführer Helmut Diener. Der Gesetzgeber müsse daher dringend einheitliche Standards für die Ausbildung festlegen. Selbst Schulen, die eine Genehmigung des Eisenbahnbundesamtes haben, wiesen Mängel auf.

Für Kiehn ist der mobile Simulator, der dem Zugtyp „Kiss“ ähnelt und der an verschiedenen Standorten eingesetzt wird, ein ganz wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Dort könne man noch folgenschwere Fehler machen, die gemeinsam mit den Trainern ausgewertet würden, sagt er.

 

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