Erweiterung der Rollbahn nötig : BER muss mal wieder umplanen

Immer neue Kosten kommen beim Bau des Hauptstadtflughafens an den Tag.
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Immer neue Kosten kommen beim Bau des Hauptstadtflughafens an den Tag.

Flughafengesellschaft zahlt 30 Millionen Euro, weil eine Rollbahn erweitert werden soll – durch eine Flugzeugwerft hindurch

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07. Juli 2015, 12:00 Uhr

Weil Wartungshallen von Lufthansa und Bombardier der Erweiterung einer Rollbahn am BER im Weg stehen, muss die Flughafengesellschaft FBB rund 30 Millionen Euro zahlen. Das sagte der Flughafenkoordinator der Landesregierung, Staatssekretär Rainer Bretschneider, gestern im Sonderausschuss BER des Potsdamer Landtags. Mit dem Geld sollen die Hallen an anderer Stelle des Flughafengeländes neu errichtet werden.

Der sogenannte „Taxiway Charlie“ sei nötig, um im Falle einer Havarie auf der frisch sanierten Start- und Landebahn Nord oder bei starkem Betrieb ausweichen zu können. Mit den 30 Millionen Euro sollten Lufthansa und Bombardier mit ihren Wartungsbetrieben am Standort BER gehalten werden. Dies beträfe „700 qualifizierte Arbeitsplätze“, die die Unternehmen auch an anderen Standorten ansiedeln könnten. Deutliche Kritik übte Bretschneider in diesem Zusammenhang am früheren Geschäftsführer Hartmut Mehdorn: Die bisherige Geschäftsführung habe dem Aufsichtsrat zwar die Baumaßnahme am „Taxiway Charlie“ vorgelegt. Die damit verbundenen Kosten seien jedoch nur „stückweise“ ans Tageslicht gekommen.

Erst am Freitag hatte der neue Flughafenchef Karsten Mühlenfeld eine transparentere Kommunikation der Flughafengesellschaft versprochen. Finanzchefin Heike Fölster wies in der Sitzung des Ausschusses erneut auf die gute wirtschaftliche Lage der Flughafengesellschaft hin. Das Unternehmen sehe für die weitere Geschäftsentwicklung keine großen Risiken, „es sei denn, dass uns der liebe Gott eine Wolke auf den Kopf haut.“

Zudem beschäftigten sich die Abgeordneten gestern mit dem Verhältnis zwischen dem Landkreis Dahme-Spreewald und dem Flughafen. Dazu war Landrat Stephan Loge (SPD) als Gast in die Sitzung des Ausschusses gekommen. Seinen Angaben zufolge sei das Genehmigungsverfahren für das Pier Süd des Flughafens derzeit etwas in Verzug. Dies sei im Rahmen der Baugenehmigung für das Südpier, die im August ausläuft, aber schaffbar.

Auch Loge übte vor den Ausschussmitgliedern scharfe Kritik am früheren Geschäftsführer Mehdorn. Es obliege zwar den Gesellschaftern, dessen Leistung zu bewerten – aus seiner Sicht „hätte diese Interimslösung aber nicht sein müssen“. Unter Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld gelte nun: „Wir bauen, wie es genehmigt wurde – das ist die beste Lösung“, so Loge. Seine Fachleute sprächen mittlerweile von einer „guten Atmosphäre“ im Kontakt mit der Flughafengesellschaft.

Nachdrücklich mahnte der LDS-Landrat im Ausschuss allerdings den Ausbau des Schallschutzes entlang der südlichen Start- und Landebahn sowie eine Unterstützung der Kommunen bei der Verbesserung der Infrastruktur im Umfeld des Flughafens an. Die Städte und Gemeinden im Umfeld des Flughafens seien auf eine weitaus frühere Inanspruchnahme ihrer Gewerbegebiete ausgerichtet gewesen. „Die schöne, neue Autobahn aus Berlin ist heute schon manchmal zu voll“, sagte Loge. Nötig sei es, bezahlbaren Wohnraum für Familien zu schaffen, deren Eltern nach der Eröffnung des Flughafens im Dienstleistungsbereich arbeiten sollen. Zudem seien die Kapazitäten von Kindertagesstätten und Schulen im Bereich des Flughafens noch nicht darauf eingestellt, dass dort Arbeitskräfte zuzögen. Zudem hätten ihm die betroffenen Kommunen aufgetragen, sich dafür einzusetzen, dass die S-Bahn-Strecke zum Flughafen bereits mit der Fertigstellung des BER eröffnet werde.

Bereits vor der Sitzung des Sonderausschusses hatte gestern die Fluglärmkommission für den BER getagt. Sie beschloss unter anderem die Forderung, dass Piloten erst ab einer Flughöhe von 3  000 Metern die festgelegte Flugroute über dem Berliner Südwesten verlassen dürften.

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