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Brandenburg : Begleitdienst auf wackligen Füßen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kostenloses Hilfsangebot für Ältere und Behinderte droht an Finanzierungsproblemen zu scheitern

Kostenlose Begleitdienste für mobilitätseingeschränkte Bürger in Brandenburg und Berlin stehen vor finanziellen Schwierigkeiten. Weil die Förderung durch das Bundesverwaltungsamt ausläuft, muss die Zahl der Begleiter von 21 auf 15 reduziert werden. „Es ist schwierig, dieses Angebot aufrechtzuerhalten, weil die Finanzierung auf wackligen Füßen steht“, sagt Projektbetreuerin Ines Gade.

In Cottbus bietet der Träger DIAS Niederlausitz gemeinnützige GmbH den Tür-zu-Tür-Service für Ältere und Behinderte in Kooperation mit dem Stadtverkehr Cottbus seit vier Jahren an – erst in Cottbus, seit einem Jahr auch in Forst. 300 Mal wird der kostenlose Dienst Gade zufolge monatlich in Anspruch genommen – mit steigender Tendenz. „Die Nachfrage wächst – wir können derzeit nur noch Begleitungen zu Arzt- und Ämterterminen absichern. Dem Rentnerkreis, der sich zum Kaffeekränzchen treffen will, sagen wir ab“, erklärt Ines Gade.


Idee wird nicht nur im Süden eingesetzt


Was in Cottbus angenommen wird, funktioniert seit 2011 auch in der kreisfreien Stadt Brandenburg/Havel. Montags bis freitags zwischen 8 und 17 Uhr werden hier Begleittermine mit 24-stündiger Vorlaufzeit angenommen. Die zumeist Langzeitarbeitslosen, die so eine Beschäftigung finden und von denen einige über den Begleitdienst wieder in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden konnten, holen ihre Kundschaft an der Wohnungstür ab und begleiten sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zum gewünschten Ziel und wieder zurück – Hilfe beim Kauf von Fahrscheinen sowie beim Ein- und Aussteigen in Bus und Straßenbahn inklusive und kostenlos. Nachdem auch hier Förderprogramme wegfielen, wird das Projekt mit Hilfe der Stadt und privater Sponsoren finanziell abgesichert.

Brandenburg und Cottbus sind zwei märkische Leuchttürme im Zuständigkeitsbereich des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Der VBB wirbt mit dem Bus & Bahn-Begleitservice, bietet ihn seit sechs Jahren aber de facto nur in der dicht besiedelten Hauptstadt an. Und hier steht er auf der Kippe, nachdem auf zwei Jahre ausgerichtete Finanzierungsverträge für die etwa 80 Begleiter auslaufen. Bislang wurde der Service zu rund 25 Prozent vom Land Berlin und zu 75 Prozent von den Jobcentern getragen und monatlich rund 1200 Mal in Anspruch genommen.

Der Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) schlägt nun Alarm: Bricht das System zusammen, „so wäre das für eine Vielzahl von Menschen, die auf Unterstützung in der Begleitung von Haustür zu Haustür angewiesen sind, ein wesentlicher Rückschlag“, sagt der Landesvorsitzende Hans Nisblé. Und dieser Rückschlag würde dazu führen, dass genau diese Menschen vom gesellschaftlichen Leben einmal mehr ausgegrenzt würden.

 

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