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Landwirtschaft : Bauern haben wieder Freude an Milch

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Erzeugerpreise haben sich innerhalb von fünf Jahren verdoppelt, der Export nimmt spürbar zu. Die Prognosen sind allerdings ungewiss.

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2014 | 12:07 Uhr

Nach Jahren sehr niedriger Erzeugerpreise lässt sich für die Bauern mit Milch wieder Geld verdienen – gerade in Brandenburg, dem Bundesland mit den größten Kuhherden. Ein Grund für die Entwicklung ist der Export. Aber auch die deutschen Verbraucher zahlen mehr. Es ist noch nicht sehr lange her, da hat Horst Meyer, Geschäftsführer der Agrar GmbH Lichterfelde-Golzow, gegen niedrige Milchpreise gekämpft. Er gehörte zu den Brandenburger Bauern, die sich an einem Lieferboykott beteiligten – und die Milch nicht zu den Molkereien, sondern im Güllewagen aufs Feld brachten. Doch der Erfolg des Protestes – nämlich mehr Geld für die Erzeuger – hielt damals, im Jahr 2008, nicht lange an. 2009 war der Milchpreis wieder im Keller. Und Horst Meyer bangte um die Existenz der Milchproduktion mit 400 Kühen.

Heute dagegen zeigt er sich zufrieden: „Seit einem Vierteljahr sind die Preise gut, zuvor war es bereits von Monat zu Monat nach oben gegangen.“ Gut 40 Cent erhalten die Landwirte jetzt pro Liter – 2009 bekamen sie die Hälfte. Endlich arbeite man kostendeckend, sagt Meyer. Vor fünf Jahren setzte man 15 bis 20 Cent pro Liter zu, etwa mit Einnahmen aus der Getreideernte. „Wir haben lange genug für sehr, sehr wenig Geld gearbeitet. Da sind die heutigen guten Preise mehr als gerechtfertigt“, findet Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg. „20 Cent – das war richtig mies.“ Allerdings verweist Jung, der einen Hof in der Prignitz bewirtschaftet, auch darauf, dass die Preise für Futter und Energie deutlich gestiegen seien. Trotzdem: „Mit diesem Milchpreis kann man gut auskommen.“ „Es bleibt etwas übrig“, heißt es auch von Holger Brantsch, Sprecher des Landesbauernverbandes Brandenburg.

Die deutschen Verbraucher spüren das natürlich auch: Laut Statistischem Bundesland stiegen im November 2013 im Vergleich zum November 2012 besonders stark die Preise für Butter (+22,9 Prozent), für Milch (+14,8 Prozent) sowie für Käse und Quark (+13,5 Prozent).

Woher aber kommen die steigenden Preise? Milchprodukte aus Deutschland sind weltweit gefragt, weiß Ingo Müller, der als Geschäftsführer beim Deutschen Milchkontor DMK in Bremen den Markt im Blick behält. „Die Nachfrage wird weiter steigen“, ist er sich sicher. In China, Afrika, Russland und vielen anderen Ländern steigen Lebensstandard und Milchdurst schneller als das heimische Angebot. Deutschland ist der größte Produzent in der EU. Die Zeiten von Butterbergen und Milchseen sind längst vorbei, der Weltmarkt saugt die Überschüsse auf.

Der Kieler Agrarökonom Prof. Holger Thiele findet es richtig, dass Milcherzeuger mit hoher Produktivität und Know-how in größere Herden investieren. „In Regionen mit höheren Grünlandanteilen wird es kaum eine wirtschaftlichere Alternative als Milchviehhaltung geben.“ Eine sehr gute Entwicklung erwartet Thiele für den Export. Der weltweite Markt werde bis 2022 um etwa 22 Prozent wachsen.

Brandenburg ist genau so ein Land mit vielen Wiesen und häufig schlechten Böden, die den Ackerbau wenig lukrativ erscheinen lassen. Und während die Mark eigentlich generell laut Holger Brantsch zu den „nutztierärmsten Regionen Europas“ zählt, steht Brandenburg bei der Größe der Milchkuhherden in Deutschland ganz vorn. „Mit 219 Milchkühen je Haltung verfügt das Land Brandenburg nach wie vor über die im Durchschnitt größten Milchkuhhaltungen“, schreibt das Amt für Statistik. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt im Land 161 200 Milchkühe gezählt. Jede davon gab laut Landeskontrollverband im Schnitt 9171 Kilogramm Milch – in der Statistik wird nach Kilogramm und nicht nach Litern abgerechnet. Ein Liter entspricht etwa 1,02 bis 1,03 Kilogramm Milch. Die Milchleistung einer Kuh reicht laut Landesbauernverband aus, um den Milch-Jahresbedarf von 27 Brandenburgern zu decken.

Aber wie geht es weiter? Das ist im wahrsten Sinne des Wortes die Preisfrage. Bleibt der Export so stark? Und was ist mit der Abschaffung der Milchquote in der EU im April 2015, also der festen Produktionsquote für jedes Mitgliedsland? Drängt dann plötzlich viel mehr Milch auf den Markt, was die Preise abstürzen lässt? Holger Brantsch und Horst Meyer möchten dazu keine Prognose abgeben. Und Reinhard Jung meint: „Das nächste Preistief kommt bestimmt. Man muss als Landwirt langfristig denken und solide wirtschaften. Und nicht auf kurzfristigen Gewinn schielen.“

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