Kampf um die Äcker : Bauer sucht Land

Wer in der Mark ein Stück Land bewirtschaften will, muss derzeit oft lange nach einer passenden Fläche suchen.
Wer in der Mark ein Stück Land bewirtschaften will, muss derzeit oft lange nach einer passenden Fläche suchen.

In Brandenburg werden die Agrarflächen knapp. Investoren kaufen massenhaft Land.

svz.de von
17. Juli 2014, 12:00 Uhr

Noch ein paar Tage lernen, dann ist Volker Schriefer am Ziel. „Nächste Woche ist Abschlussprüfung“, berichtet der Junglandwirt, während er Unkraut aus seinem Versuchsfeld in der Uckermark hackt. Buschtomaten, Zwiebeln und Freilandgurken hat er angebaut. Landwirt zu werden sei sein Traum, sagt Schriefer, der an der Fachhochschule Eberswalde Öko-Agrarmanagement studiert. Doch aus dem Traum wird vielleicht nichts. Denn Schriefer und etliche seiner Kommilitonen finden im Flächenland Brandenburg keinen Ort, auf dem sie einen eigenen Agrarbetrieb aufbauen könnten.

Um das ostdeutsche Ackerland ist ein harter Wettbewerb entbrannt, bei dem nicht nur die Landwirte selbst, sondern immer mehr Investoren mitmischen. Sie haben in den vergangenen Jahren massiv Flächen aufgekauft – etwa, um dort Mais zur Biogas-Verstromung anzubauen.

So schrumpfen die freien Flächen. Und was noch frei ist, ist oft unerschwinglich. Neulich bot Student Schriefer bei einer Auktion von Land unweit seines Versuchsfeldes am Oberuckersee mit, aber er musste rasch aufgeben: „20 000 Euro pro Hektar waren einfach zu viel“, sagt der gebürtige Niedersachse.

Seine Sorgen sind kein Einzelfall. In ganz Ostdeutschland explodierten die Bodenpreise, weil außerlandwirtschaftliche Investoren mit Land spekulierten, sagt Willi Lehnert vom Bündnis Junge Landwirtschaft. Die Initiative hat eine Kampagne gegen „Landgrabbing“ und für einen Wandel in der Agrarstruktur gestartet: „Bauer sucht Land“ lautet das Motto. Böden und Umwelt dürften nicht länger respektlos ausgebeutet werden.


Dominanz der Großen auch nach der Wende


Tatsächlich dominieren in Ostdeutschland und insbesondere in Brandenburg seit jeher wenige, große Agrarbetriebe mit tausenden Hektar Flächen. Die Strukturen stammen noch aus der DDR-Planwirtschaft und wurden nach der Wende quasi fortgeführt. Heute profitieren die Unternehmen von der EU-Flächenprämie, die Großbetriebe subventioniert. Sie macht die Landwirtschaft auch so attraktiv für Investoren.

Fast die Hälfte der 1,7 Millionen Hektar Land gehöre heute gerade einmal 6,4 Prozent der Betriebe mit einer Größe von jeweils über 1000 Hektar Land, kritisiert Willi Lehnert vom Bündnis Junge Landwirtschaft. Großstrukturen aber bedeuteten nicht nur Monokultur, sondern auch große Technik, weniger Personal und Arbeitsplatzabbau. „Unser Vorwurf an die Politik ist, dass sie bloß zuschaut, wie Agrarkonzerne den ländlichen Raum unter sich aufteilen“, sagt Lehnert.

Als erste Maßnahme fordert sein Bündnis einen „Verkaufsstopp“ von Flächen, die noch im Besitz der bundeseigenen Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH sind und meistbietend veräußert werden.

Brandenburgs Landesregierung weist die Kritik zurück. Zugleich hat Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) zugesagt, den ökologischen Landbau zu stärken. Bis 2020 sollen Bio-Betriebe mit 178 Millionen Euro aus EU- sowie aus Landes- und Bundesmitteln unterstützt werden. In der vorangegangenen Förderperiode waren es nur 115 Millionen. Damit unterstütze das Land Bauern, die in den ökologischen Landbau einsteigen wollen, sagt Vogelsänger.

Der Wettbewerb um märkischen Boden wird aber wohl weitergehen. Unter den Landwirtschafts-Studenten an der Fachhochschule Eberswalde sei die Stimmung angespannt, sagt Volker Schriefer. Viele seien „desillusioniert“, was eine Existenzgründung als Landwirt betreffe.

Neben Spekulanten und Großkonzernen haben die Jungbauern indes noch eine weitere Konkurrenz um Böden ausgemacht: Immer mehr Anwesen würden von Berlinern aufgekauft. Die Städter finden es schick, auf einem alten Bauernhof zu wohnen.

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