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Bauwirtschaft : Baubranche vorsichtig optimistisch

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bauwirtschaft erwartet leicht steigende Umsätze. Mehr Investitionen in Infrastruktur und Wohnraum in der Fläche gefordert

svz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 00:33 Uhr

Nach einem Jahr mit sinkenden Umsätzen rechnet die Bauwirtschaft in Brandenburg und in Berlin für 2016 wieder mit wachsenden Zahlen. Doch zufrieden zeigt sich die Branche keinesfalls. Vor allem der Wirtschaftsbau stagniert.

Die Bauunternehmen werden im kommenden Jahr nach Einschätzung des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg und der Fachgemeinschaft (FG) Bau voraussichtlich 6,87 Milliarden Euro erwirtschaften. Das entspricht einem Umsatzplus von 2,2 Prozent, nachdem es im laufenden Jahr ein Minus von 1,5 Punkten gibt. „Man könnte denken, alles ist schön, doch das ist es leider nicht“, sagte Bauindustrie-Hauptgeschäftsführer Axel Wunschel gestern in Berlin. „Wir müssen feststellen, dass weniger für langfristige und mehr für kurzfristige Strukturen gebaut wird.“ Er machte das unter anderem an den vielen Schlaglöchern auf den Straßen der Region fest. Ein Schlagloch sei eigentlich die Meldung, dass der richtige Zeitpunkt zum grundlegenden Ausbau der Straße verpasst wurde. Doch stattdessen werde nur geflickt. Der FG-Hauptgeschäftsführer Reinhold Dellmann verwies auf das von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) vorgestellte 100-Millionen-Euro-Programm zur Sanierung der Landesstraßen. „100 Millionen hören sich erst mal toll an“, sagte er. Aber die Summe werde über fünf Jahre verteilt, so dass pro Jahr nur durchschnittlich 20 Millionen Euro blieben. Benötigt würden nach Ansicht der Bauwirtschaft aber jährlich rund 80 Millionen Euro.

Insgesamt erwartet die Branche in der Region Berlin-Brandenburg für das neue Jahr den höchsten Zuwachs beim öffentlichen Bau (sechs Prozent). Im Wirtschaftsbau wird dagegen ein Minus von knapp einem Punkt prognostiziert. Den größten Anteil am Umsatz erwirtschafte weiter der Wohnungsbau, der um 2,6 Prozent wächst – 2015 waren es allerdings vier Prozent.

Allein das Land Brandenburg betrachtet, sagen die Experten einen Umsatzzuwachs von 1,8 Prozent auf 3,92 Milliarden Euro voraus, nach einem Minus von 2,1 Prozent im laufenden Jahr. Hauptgrund für die positive Einschätzung seien die zusätzlichen Investitionen des Landes – wie erwähnt in den Straßenbau, aber vor allem in den Bau von Wohnungen. Die Umsätze im Wohnungsbau werden in Brandenburg voraussichtlich um 1,3 Punkte zulegen. Wunschel kritisierte dabei, dass Brandenburg eben nicht nur aus dem Speckgürtel um Berlin bestehe, wo fleißig gebaut werde. „Ich glaube, dass wir auch in der Fläche mehr Wohnraum brauchen“, sagte er.

Dellmann verwies zudem auf den Zuzug vieler Flüchtlinge – auch wenn heute noch niemand einschätzen könne, wie viele in der Region bleiben werden. „Gerade wegen der aktuellen Flüchtlingsdebatte ist nach wie vor Handlungsbedarf bei den Investitionen der öffentlichen Hand geboten“, sagte Wunschel. Dabei gehe es auch um gute Verbindungen in die regionalen Mittelzentren. Hier bestehe die Chance, Versäumtes nachzuholen.

Die Diskussion über preisgünstigen Wohnraum sei indes älter als das Flüchtlingsthema, betonte Wunschel. „Es geht darum, kostengünstiges Wohnen für jedermann zu gewährleisten.“

Größtes Problem im Land bleibe allerdings der Wirtschaftsbau, der stagniere. Die Zahl der Arbeitnehmer im Brandenburger Bauhauptgewerbe wird der Prognose zufolge leicht sinken: um 0,2 Prozentpunkte auf 21 650 Beschäftigte.

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