mit HAndzetteln und Plakate gegen die Werksschließung : Bahnwerk rüttelt Eberswalde wach

Nicht mit uns: Manuela Düntzsch nimmt Plakate und Handzettel entgegen. Die Bahnwerker Andreas Hoffmann (Mitte) und Mario Bude gehören zu der Abordnung, die gestern in Eberswalde unterwegs war.
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Nicht mit uns: Manuela Düntzsch nimmt Plakate und Handzettel entgegen. Die Bahnwerker Andreas Hoffmann (Mitte) und Mario Bude gehören zu der Abordnung, die gestern in Eberswalde unterwegs war.

Mit der zum Ende 2016 angekündigten Werksschließung würden nicht nur die Arbeitsplätze im Betrieb wegfallen, betroffen wären alles in allem etwa 2000 bis 3000 Eberswalder.

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14. November 2014, 12:43 Uhr

Mit Handzetteln und Plakaten machen die Bahnwerker auf die katastrophalen Folgen aufmerksam, die eine Stilllegung des Betriebes für Eberswalde und die Region hätte. Bei vielen Unternehmern nicht nur in der Kreisstadt rennen sie damit offene Türen ein. „Es geht um den letzten großen Industriebetrieb in Eberswalde“, sagt René Hoffmann, Inhaber von Hoffmann & Brillen, für den es selbstverständlich ist, die Belegschaft des DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH in ihrem Kampf um den Erhalt möglichst vieler der 500 Arbeitsplätze zu unterstützen.

20 000 Handzettel und 2000 Plakate haben die Bahnwerker, unterstützt vom Kreisverband Barnim des Deutschen Gewerkschaftsbundes, im ersten Schwung drucken lassen. Die Botschaft ist unabhängig vom Format identisch: Alle Eberswalder müssten gemeinsam gegen die Willkür des DB-Konzerns vorgehen. Mit der zum Ende 2016 angekündigten Werksschließung würden nicht nur die Arbeitsplätze im Betrieb wegfallen, betroffen wären alles in allem etwa 2000 bis 3000 Eberswalder.

„Durch die Abwanderung und den Kaufkraftverlust wird beinahe jeder Einwohner die Auswirkungen zu spüren bekommen“, heißt es in den Protestschriften. Die Einnahmen aus den Abgaben für die Stadt, den Kreis und das Land würden sinken. In welcher Höhe sei noch nicht absehbar, sicherlich werde es sich dabei um Millionen handeln. Baumaßnahmen und Verschönerungen würden dann der Vergangenheit angehören. „Eberswalde wird sterben“, lautet das bittere Fazit auf den Handzetteln und Plakaten.

In der Apotheke trifft die Abordnung aus dem Bahnwerk, angeführt vom Betriebsratsvorsitzenden Ulf Boehnke, auf Inhaberin Monika Moseler, die es furchtbar fände, wenn die Deutsche Bahn ihrer Eberswalder Niederlassung tatsächlich den Todesstoß versetzen würde. „Mir tun die Beschäftigten des letzten verbliebenen Großbetriebes leid“, betont die Apothekerin.

„Die Bahnwerker müssen spüren, dass alle Eberswalder und Barnimer an ihrer Seite stehen“, findet Petra Mittag, die Plakate würden in jedes Schaufenster gehören.

Auch in einem Friseurladen 70 hat die Abordnung aus dem Bahnwerk leichtes Spiel. „Wir haben hier auch schon Unterschriften für den Erhalt des Betriebes gesammelt“, sagt Steffi Keller aus Eberswalde und nimmt Handzettel und Plakate entgegen. „

Ohne RAW kann und will ich mir Eberswalde nicht vorstellen“, erklärt Heike Hoyer von „Miras Café “ und benutzt damit die Abkürzung für Reichsbahnausbesserungswerk, die noch jedem halbwegs an der Stadtgeschichte interessierten Eberswalde geläufig sein dürfte.

Auf ihrem Weg entlang der Eisenbahnstraße treffen der Betriebsratsvorsitzende und seine Mitstreiter auf Christel Schulz. Die Eberswalderin hatte am 1. September 1968 ihre Lehre im Werk begonnen und ist zum 1. September dieses Jahres in Rente gegangen. „Ich war gerade fünf Wochen zu Hause, als ich die Hiobsbotschaft hören musste“, sagt sie. Dass Personalanpassungen wohl unvermeidbar gewesen wären, habe jeder Beschäftigte gewusst. „Aber die Vorstandsentscheidung, den Betrieb zu schließen, kam für uns aus nur leicht bewölktem Himmel“, berichtet Christel Schulz. Sie fühle sich allen Betroffenen ungemein nah. Die Bahnwerker bestücken nicht allein die Geschäfte an der Eisenbahnstraße mit Handzetteln und Plakaten. Die gesamte Region werde versorgt, kündigt Ulf Boehnke vom Betriebsrat an.

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