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Konzern übernimmt Nahverkehr : Bahn setzt auf Busverkehr

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das vor zwei Jahren gegründete Tochterunternehmen DB Regio Bus Ost strebt Übernahmen auch im ländlichen Raum an.

svz.de von
erstellt am 17.Dez.2014 | 15:00 Uhr

Die Deutsche Bahn will ihr Angebot auf der Straße in den kommenden Jahren ausbauen. Das vor zwei Jahren gegründete Tochterunternehmen DB Regio Bus Ost strebt Übernahmen auch im ländlichen Raum an. In Märkisch-Oderland und Oder-Spree gehören die knallroten Busse bereits seit Jahren zum Straßenbild . Dort hatte die Deutsche Bahn die Mehrheitsanteile an den kommunalen Busgesellschaften übernommen und schickt Fahrzeuge in der typischen Regionalzug-Lackierung durch beide Landkreise.

Das Engagement habe sich gelohnt, bilanziert Bernd Wölfel, Geschäftsführer der DB Regio Bus Ost in Potsdam. Man wisse zwar, dass die wirtschaftliche Lage der Kommunen schwierig sei und der Osten Deutschlands unter einem starken Bevölkerungsrückgang leide, sagt er. Aber mit „maßgeschneiderten Lösungen“, die auch Rufbusse und Mitfahr-Portale beinhalten, könne man kostendeckend fahren. Letztlich ist aber auch der Bahnkonzern von den Regionalisierungsmitteln des Bundes abhängig, die für den Nahverkehr ausgeschüttet werden.

Trotz dieser Ausgangslage will die Bahn-Tochter auch im ländlichen Raum weiter expandieren. Ab Januar starten die roten Busse in Spree-Neiße, wo der Konzern den Busverkehr rund um Forst, Guben und Spremberg betreiben wird und sich bei einer Ausschreibung gegen die regionale Verkehrsgesellschaft durchsetzte. „Das Personal wird komplett übernommen“, versichert Co-Geschäftsführer Birk Völker. Ebenso habe man sich verpflichtet, Tariflöhne zu zahlen. Die Flotte mit rund 50 Fahrzeugen wird vollständig erneuert. „Wir machen keinen Wettbewerb auf Kosten der Beschäftigten“, betont er. Einsparungen erreiche man über Rabatte bei Bestellungen von Bussen sowie über den zentralen Einkauf von Diesel.

Zum Beginn des Jahres 2016 übernimmt die Bahn außerdem den Nahverkehr auf der Insel Usedom, ein Engagement ist auch in anderen Teilen des Landkreises Vorpommern-Greifswald geplant. Auf der Ostsee-Insel will DB Regio Bus Ost sogar ohne Zuschüsse auskommen – und allein mit Ticketverkäufen einen Gewinn einfahren. „Wir setzen dort auf ein offensives Marketing. Usedom ist eine Tourismushochburg“, erklärt Wölfel. Auch in der Prignitz bewirbt man sich Mitte 2017 um den Busverkehr. „Es gibt noch viele weiße Flecken für die Bahn auf der Landkarte, die wollen wir schließen“, kündigt der Geschäftsführer an.

Insgesamt gehören zum Unternehmen, das bislang in Brandenburg, Berlin und Sachsen aktiv ist, rund 800 Mitarbeiter sowie 400 eigene Fahrzeuge. Für das kommende Jahr will DB Regio Bus Ost den Umsatz um zehn Prozent auf 73 Millionen Euro steigern. Mittlerweile hat der Konzern auch den Schienenersatzverkehr komplett in eigene Regie genommen: Das Berliner Tochterunternehmen BEX organisiert in ganz Ostdeutschland den Transport von Bahnkunden aufgrund von Bauarbeiten.

Auch bei Fahrgemeinschaften will der Schienenkonzern mitmischen. Das Internet-Portal Flinc ist nach Angaben von Wölfel bereits im Schwarzwald gestartet, eine Ausdehnung des Angebots u.a. in Brandenburg ist im Gespräch. „Wir wollen das den öffentlichen Auftraggebern als letzten Mosaikstein des Mobilitätsnetzes verkaufen“, erläutert er. „Viele haben kein Auto, um zum Bahnhof zu gelangen.“ Andere Busbetriebe sehen den Expansionskurs gelassen. „Wir ergänzen uns im Verkehrsverbund gut untereinander, es gibt keine wirkliche Konkurrenz“, sagt der Vize-Vorsitzende des Landesverbandes der Verkehrsunternehmen, Werner Jumpertz. Wenn ein anderer Ausschreibungen gewinne, dann nehme man das sportlich.

 

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