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BFD : Arbeitslose werden Freiwillige

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Bundesfreiwilligendienst hat sich etabliert. Vor allem ältere Menschen sind in die Fußstapfen der Zivis getreten.

In Brandenburg leisten derzeit mehr Menschen Bundesfreiwilligendienst (BFD) als früher den Zivildienst. Nach Angaben des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) gab es im April 2459 sogenannte Bufdis. Das sind rund ein Drittel mehr als die 1812 Zivildienstleistenden, die im März 2009 in Brandenburg gezählt worden waren.

„Anfangs war die Resonanz sehr gering“, sagte die Leiterin der Freiwilligendienste der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Berlin und Brandenburg, Sandy Neugebauer. „Mittlerweile hat sich der BFD aber gut etabliert.“ Der neue Freiwilligendienst war im Juli 2011 als Nachfolger des Zivildienstes eingeführt worden, der zusammen mit der Wehrpflicht weggefallen war.

Der BFD kann zwischen 6 und 24 Monate lang sein, in der Regel dauert er ein Jahr. Zu den Tätigkeitsfeldern gehören die Kinder- und Jugendarbeit, die Gesundheits- und Altenpflege und die Behindertenhilfe, aber auch Naturschutz, Sport, Kultur und Bildungsarbeit.

Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist ein ähnliches Programm. Dort kann sich aber nur bewerben, wer höchstens 26 Jahre alt ist. Beim BFD gibt es keine Obergrenze. Dadurch hat sich das Profil der Freiwilligen stark verändert. „Es bewerben sich so viele über 26-Jährige, dass man alle Stellen mit ihnen besetzen könnte“, sagte Neugebauer. Der BFD werde manchmal als eine Art Beschäftigungsförderung für schwer Vermittelbare betrachtet. Von den 2459 BFDlern in Brandenburg sind den Zahlen des Bundesamtes zufolge nur 353 jünger als 27, 86 Prozent sind 27 oder älter. Mit 1150 sind gar 47 Prozent über 50 Jahre alt. Brandenburg liegt damit im ostdeutschen Trend. Während in den alten Bundesländern etwa 86 Prozent der BFDler jünger als 27 Jahre sind, verhält es sich in den neuen Bundesländern genau umgekehrt. Dort sind 86 Prozent mindestens 27 Jahre alt, 48 Prozent sind älter als 50 Jahre.

„Manche der Älteren werden in Stellen eingesetzt, für die sie eh schon ehrenamtlich tätig waren“, sagte Marcel Gunia vom Arbeiter-Samariter-Bund Havelland in Falkensee. Einige hätten einen Beruf erlernt, den es nicht mehr gibt, etwa im landwirtschaftlichen Bereich. Hausmeistertätigkeiten seien eine typische Aufgabe älterer Freiwilliger.

In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage hatte das Bundesfamilienministerium Anfang April mitgeteilt, dass 2013 im Osten der Republik besonders häufig aus Arbeitslosen Freiwillige geworden seien. „Von allen Abgängen in einen Wehr-, Zivil- oder Freiwilligendienst entfielen bei den Arbeitslosen 59 Prozent und bei den Arbeitsuchenden 58 Prozent auf Personen, die in Ostdeutschland wohnhaft sind“, hieß es.

In der Mark gebe es nun einmal wenige junge Menschen und viele Erwerbslose, sagte Roman Fleißner, Bildungsreferent für den Bundesfreiwilligendienst bei den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (IJGD) Berlin-Brandenburg. „Auch wenn die älteren Freiwilligen schon lange im Leistungsbezug sind, haben sie oft eine Ausbildung.“ Die seien dankbar, wenn sie irgendwo helfen könnten.

In einer Studie stellte das Centrum für soziale Investitionen und Innovationen (CSI) fest, dass der Freiwilligendienst nicht nur wegen der Aussicht auf eine sinnvolle Tätigkeit für Arbeitslose reizvoll sein kann, sondern auch wegen des Taschengeldes. Bufdis erhalten bis zu 357 Euro monatlich. Wer Hartz IV bekommt, kann 200 Euro dazu verdienen. „Für viele Arbeitssuchende ist der Dienst eine Alternative zum Arbeitsmarkt“, heißt es in der Studie.

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